Erlösung in den Schlussminuten: ÖFB-Team müht sich zum Sieg gegen Israel | Tiroler Tageszeitung Online

Erlösung in den Schlussminuten: ÖFB-Team müht sich zum Sieg gegen Israel | Tiroler Tageszeitung Online

Von Alexander Gruber

Das österreichische Fußball-Nationalteam startete mit einem 3:1 (1:0) gegen Israel in die Nations League. Beim Neuanfang konnte eine gut 35-minütige Überlegenheit erst in den letzten Minuten in einen Sieg umgemünzt werden.

Linz – „So schnell schießen die Preußen dann doch nicht“, sagt eine Redewendung. Sprich: bei der ersten Teamnominierung kann man nicht gleich auch mit dem ersten Einsatz rechnen. Die beiden Tiroler Teamneulinge Felix Bacher (Lyon) und Goalie Christian Zawieschitzky (Salzburg), der bald für die EM-Quali zur U21-Auswahl übersiedeln könnte, standen ebenso wie Rückkehrer Maximilian Wöber (Schalke) und Frischling Vasilije Markovic (Austria) nicht im 23-Mann-Matchkader.

Überraschungen in der Startelf? Am ehesten Flügel Marco Grüll, der zuletzt bei Werder Bremen aufgezeigt hat. Der 28-jährige Salzburger stand nicht im WM-Kader und kam in den letzten Jahren über Kurzeinsätze im ÖFB-Team nicht hinaus. Er war Teil jenes rot-weiß-roten Pressings, das in den Anfangsminuten in Ansätzen an gute Tage erinnern konnte und die ein oder andere Halbchance (Wimmer/24.) hervorbrachte. Aber schon vor dem Match stand die Frage im Raum, wer in der Offensive zündende Ideen – Romano Schmid begann positionstechnisch als „Zehner“ – und Durchschlagskraft liefern kann. Die Israeli um West-Ham-Legionär Manor Solomon zeigten ihrerseits phasenweise auf, dass sie auch kombinieren können.

Gerade als sich Neo-Kapitän Michael Gregoritsch an der Seiten-Outlinie verarzten ließ, hatte Österreich nach einem Tempolauf von Schmid durch einen abgeblockten Grüll-Schuss (31.) eine gute Offensivszene. Beim darauffolgenden kurz abgespielten Eckball setzte Stefan Posch eine Schlager-Flanke neben den Pfosten. Für Gregoritsch war danach Schluss, LASK-Angreifer Sasa Kalajdzic durfte in seinem Heimstadion ran. Und holte gleich einen Elfer heraus, den Schmid sicher zum 1:0 (43.) verwandelte. Das Umschaltspiel funktionierte gegen Ende der ersten Halbzeit besser. Posch ließ in der Nachspielzeit noch die Riesenchance aufs 2:0 aus.

Die Rangnick-Truppe startete mit PSV-Legionär Paul Wanner (für Grüll) in die zweite Halbzeit. Nach einem Ringkampf bei einem Eckball sahen Kevin Danso und Abu Farchi Gelb. Das hatte Konsequenzen. Der genannte Israeli köpfelte nach einem abgefälschten Schuss per Kopf zwar zum 1:1 (55.) ein, musste nach seinem übertriebenen Torjubel aber mit Gelb-Rot unter die Dusche. So nah liegen Licht und Schatten beieinander, der bulgarische Schiedsrichter Georgi Kabakov trug da seinen Teil zur Hektik bei.

Die ÖFB-Elf versuchte in Überzahl das entscheidende Loch in die Gäste-Abwehr zu bohren. Kalajdzic fand zweimal in Ex-Bayern-Keeper Daniel Peretz (60., 71.) seinen Meister. Rangnick brachte mit Sascha Horvath und Christoph Lang zwei weitere LASK-Akteure und Team-Debütanten. Lang klopfte im Finish noch einmal an (86.), aber ohne Erfolg.

Österreich – Israel 3:1 (1:0)

Linz, Raiffeisen Arena, 15.200. SR Kabakow (BUL)

Tore: Schmid (43., Elfmeter), Mwene (90.), Kalajdzic (93.) bzw. Abu Farchi (55.); Gelb-Rot: Abu Farchi (55.).

Österreich: A. Schlager; Posch, Lienhart, Danso, Mwene; Seiwald (73., Horvath), X. Schlager; Wimmer (73., Lang), Schmid (82., Chukwuemeka), Grüll (46., Wanner); Gregoritsch (36. Kalajdzic)

Israel: Da. Peretz; Mizrahi (64., Shlomo), Nachmias, Stoinov, Revivo; Dor Peretz (64., Y. Levi), E. Peretz (85., Dasa); Khalaili, Gloukh (85., Abada), Solomon (73., Turgeman); Abu Farchi.

Nächstes Match: Kosovo – Österreich (Sonntag, 18 Uhr)

Am Ende gab es dann doch noch ein Happy End für das ÖFB-Team. Erst erlöste Phillip Mwene in der letzten Minute der regulären Spielzeit mit seinem Knietreffer zum 2:1 die rot-weiß-rote Mannschaft, dann machte Kalajdzic in der Nachspielzeit (93.) mit dem 3:1 den Deckel drauf und sorgte so für einen versöhnlichen Auftakt in der Nations League.

Sasa Kalajdzic (Österreich-Torschütze): „Es war wichtig, dass wir das zweite Tor machen, beim dritten haben wir sie eiskalt bestraft. Von mir aus kann man auch früher treffen, aber ich nehme das gerne mit. Wir haben gewusst, dass Israel spielerische Lösungen finden will. Wir haben uns in der ersten Hälfte der ersten Halbzeit schwer getan. Mit dem Elfmeter ist es dann relativ gut gelungen. Das Gegentor war unnötig und komplett unglücklich, das war der erste Ball auf unser Tor. Sie haben sich dann selbst geschwächt. Am Ende sind es drei Punkte, das zählt.“

Ralf Rangnick (Österreich-Teamchef): „Wir haben einen einzigen Ball auf unser Tor zugelassen im ganzen Spiel, wo wir uns nicht so gut verhalten haben. Ansonsten haben wir gar nichts zugelassen. Ab der 30. Minute hatten wir mehr Zugriff und haben das Spiel in unsere Hand bekommen. Am Schluss war es trotzdem ein Wettlauf gegen die Uhr. Dass wir die zwei Tore noch gemacht haben, war wichtig. Es war über das gesamte Spiel verdient. In der zweiten Halbzeit hatten wir schon gute Möglichkeiten. Aber der Gegner hat sich dann hinten eingeigelt. Wir haben gegen den Ball klar besser gespielt als bei der WM. Sicher war es noch nicht das allerhöchste Niveau. Mit dem Energielevel auf dem Platz war ich absolut zufrieden. Es ist keiner abgefallen, ich hätte lieber noch zwei, drei eingewechselt. Gregoritsch hat sich wahrscheinlich etwas am Band getan, Konkretes wissen wir morgen.“

Zur Gelb-Roten Karte: „Der Schiedsrichter hat es offensichtlich als Unsportlichkeit interpretiert. Uns hat es sicher nicht geschadet, am Ende ist es eine Entscheidung des Schiedsrichters.“

Romano Schmid (Österreich-Torschütze): „Wenn man die späten Tore hernimmt, war es ein schwerer Sieg. Wir hatten ordentliche Chancen, aber trotzdem waren wir im letzten Drittel nicht so sauber. Am Ende steht ein Torschuss für Israel auf dem Papier, der war halt drin. Dann steht es 1:1 und dann wissen wir, dass solche Spiele schwer sind. Die Wechsel haben gefruchtet. Jeder trägt seinen Teil dazu bei und das ist sehr schön.“

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