Was schätzen Sie: Wie viele Stunden arbeitet der durchschnittliche deutsche Erwerbstätige im Lauf seines Lebens?
Laut einer Berechnung des Münchner Roman Herzog Instituts* sind es etwa 52.662. EU-weit liegt der Wert sogar bei 57.342 Stunden. Dabei geht es für die meisten von uns nicht nur darum, diese Zeit einfach abzusitzen oder das Maximum an Produktivität und Effizienz herauszuschinden. Die große Herausforderung ist es vielmehr, die abertausend Stunden im Büro, der Klinik, der Werkshalle, dem Führerhaus oder der Gastronomie möglichst erfüllend, positiv und im wahrsten Sinne des Wortes lebenswert zu gestalten.
Besonders groß ist diese Herausforderung für die Personengruppe der Hochsensiblen . Aufgrund ihrer besonders ausgeprägten Empfindsamkeit gegenüber inneren (Gefühle, Gedanken, (Miss-)Stimmungen) und äußeren Reizen (Geräusche, Licht, Temperatur), erleben sie ihren Arbeitsalltag oft als besonders intensiv, Kräfte zehrend und nicht selten be- oder sogar überlastend.
Kreativität, Organisationstalent, analytisches Denken, Teamfähigkeit und eine außergewöhnlich gute Beobachtungsgabe – damit können HSP im Job besonders punkten.
Darüber hinaus sind sie empathische und hilfsbereite Kollegen oder Vorgesetzte, zeichnen sich durch Genauigkeit, Pflichtbewusstsein, Gewissenhaftigkeit und einen hohen Qualitätsanspruch – vor allem sich selbst gegenüber – aus. Mehr über die speziellen Fähigkeiten und charakterlichen Stärken von Hochsensiblen lesen Sie hier .
Was für das Team und den Arbeitgeber natürlich ein absoluter Gewinn ist, kann für den Hochsensiblen selbst zum persönlichen Risiko werden – durch dauerhafte Überbeanspruchung, Erschöpfung bis hin zu Selbstaufgabe und Burn-out.
Um dem entgegenzuwirken, sollten HSP möglichst nicht versuchen, ihre Hochsensibilität zu unterdrücken oder zu verstecken, sondern vielmehr bewusst und offen damit umzugehen. Das heißt: Arbeitsweise (Qualität, Quantität) und Arbeitsbedingungen (Zwischenmenschliches, Arbeitszeit, räumliche Umgebung) reflektieren, sich über die eigenen Grenzen klar werden und sie auch klar artikulieren.
Im Optimalfall sprechen sie ihre besonderen Stärken, aber auch Bedürfnisse im Zusammenhang mit ihrer Hochsensibilität bereits beim Vorstellungsgespräch an. So vermeiden sie von Anfang an Irritationen und Missverständnisse, schaffen Akzeptanz und Rücksichtnahme und legen den Grundstein für ein konstruktives und harmonisches Miteinander, von dem sie und ihre Kollegen gleichermaßen profitieren.
Hochsensibilität ist nicht gleich Hochsensibilität. Sie ist eine individuelle Charaktereigenschaft . Ein Persönlichkeitsmerkmal, das sich zwar in seinen Grundzügen ähnelt, sich aber in der jeweiligen Ausprägung und Stärke unterschiedlich bemerkbar machen kann.
Deshalb gibt es auch nicht den perfekten Job für Hochsensible. Für jeden Einzelnen gilt es herauszufinden, was ihm/ihr im Berufsleben guttut und welches die persönlichen No-Gos sind. Eine ehrliche Selbstanalyse ist hier ein wichtiger Schritt:
Grundsätzlich kommen Hochsensiblen oft Berufe in einem eher ruhigen Umfeld entgegen – ohne hochfrequenten Kundenkontakt, häufiges Reisen oder eng getakteten Terminkalender.
Und solche mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten, was Jobkonditionen und Tätigkeitsfeld angeht. Eine hochsensible Erzieherin beispielsweise muss ihren Beruf nicht zwingend in einer hektischen, unterbesetzten KiTa ausüben. Die Alternative wäre eine kleinere Wohngruppe oder die Arbeit als Tagesmutter mit wenigen Kindern. Für den hochsensiblen Bauarbeiter ist ein Job als eigenständiger Handwerker auf Dauer deutlich besser geeignet als die laute und überhitzte Großbaustelle.
Generell sind selbständige und freiberufliche Jobs eine gute Option für HSP. Hier können sie sich Freiräume schaffen, Arbeitszeiten und -Pensum individuell einteilen.
Um den besonderen Bedürfnissen hochsensibler Menschen im Berufsleben gerecht zu werden, ihr Potenzial optimal zu fördern und ihre mentale Gesundheit zu schützen, gibt es verschiedene praktische Möglichkeiten, die sie zum Teil eigenverantwortlich, teilweise auch in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber umsetzen können,
Bei der Gestaltung von Berufsleben und Arbeitsalltag kommt es schlussendlich immer auf die individuellen Stärken, Belastbarkeitsgrenzen und Ansprüche eines jeden Hochsensiblen an. Wichtig ist es, diese Faktoren bei Vorgesetzten und Kollegen anzusprechen und gemeinsame Strategien und Maßnahmen zu erarbeiten. In manchen Bereichen betreten beide Seiten dabei vielleicht Neuland. Aber Offenheit und Kooperationsbereitschaft zahlen sich in den meisten Fällen aus. Denn wo sich Hochsensible beruflich optimal entfalten können, bereichern sie ihr Arbeitsumfeld fachlich wie zwischenmenschlich!
Sie möchten sich mit anderen Hochsensiblen über Erfahrungen, Herausforderungen, Strategien und Praxistipps für den Job oder andere Lebensbereiche austauschen? Gleichgesinnte finden Sie schnell und unkompliziert über No-longer-single.de ! Gleich anmelden und über die Umkreissuche neue Kontakte knüpfen und andere HSP kennenlernen!
* https://www.romanherzoginstitut.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/PDFs-Publikationen/RHI-Studie_Nr_38_Lebensarbeitszeit.pdf