Er erinnert an Toni Kroos! Einen Spieler wie Joey Veerman hatte Niko Kovac beim BVB noch nie | SPOX

Er erinnert an Toni Kroos! Einen Spieler wie Joey Veerman hatte Niko Kovac beim BVB noch nie | SPOX

Joey Veerman ist beim 3:2 von Borussia Dortmund gegen FC Villarreal in der Champions League schon sein erstes Meisterstück gelungen. Er könnte genau der Spieler sein, der dem BVB und seinem Trainer gefehlt hat, um kreativer und schöner Fußball zu spielen.

Keine Frage: Borussia Dortmund mangelte es auch in den vergangenen Spielzeiten nicht an sehr tauglichen offensiven wie defensiven zentralen Mittelfeldspielern. Marcel Sabitzer, Felix Nmecha, Jobe Bellingham, Julian Brandt und bis zur vergangenen Winterpause auch Pascal Groß sind unterschiedliche Spielertypen, haben aber alle ihre Qualitäten. Was sie jedoch eint: Trainer Niko Kovac traute offenbar keinem von ihnen zu, das Dortmunder Spiel wirklich in der Mitte aufziehen zu können.

Das muss man ihnen nicht mal vorwerfen, Kovac hat während seiner Trainerkarriere bewiesen, dass er es generell nicht so hat mit einem zentralen Spielaufbau und gerade unter Gegnerdruck den schnellen Pass auf den Flügel bevorzugt. Wenn dem Spiel des BVB in der vergangenen Saison eine gewisse kreative Armut attestiert wurde, lag dies eben auch daran, dass die zentralen Mittelfeldspieler vergleichsweise selten am Ball waren und die Außenspieler auf den Flügeln relativ dicht gedeckt werden konnten.

In diesem Sommer aber hat der BVB einen Spieler verpflichtet, dem selbst Kovac nicht das Spiel durch die Mitte austreiben kann - oder will. Denn Joey Veerman fordert von seinen Mitspielern nicht nur permanent, dass sie ihm den Ball in die Mitte spielen. Dank seiner beeindruckenden Passstärke und nicht minder bemerkenswerten Spielintelligenz und einem Sinn fürs Timing, der an Metronomen wie Rodri, Toni Kroos oder Andrea Pirlo erinnert , macht er meist ziemlich gute Dinge mit den erhaltenen Bällen.

Brachte er beim glücklichen 3:2 gegen die TSG Hoffenheim in der Bundesliga nach seiner Einwechslung so endlich Ruhe und Struktur ins Dortmunder Spiel, gab er beim zum Ende hin wieder unnötig engen 3:2 zum Auftakt in die Champions League gegen den FC Villarreal von Beginn an einen Regisseur, der die Mitspieler um sich herum besser machte. Felix Nmcha neben ihm auf der Doppel-Sechs, Marcel Sabitzer links vor ihm, Konstantinos Karetsas bis zu seiner Verletzung und dann Ethan Nwaneri rechts vor ihm passten den Ball nicht nur häufig zu Verman, sie erhielten den Ball auch in dann noch besseren Positionen als vorher wieder von ihm.

99 Ballkontakte sammelte er gegen Villarreal, was auch für einen Mittelfeldspieler, dessen Trainer nicht Niko Kovac heißt und der für einen etwas dominanteren Spielstil steht als der BVB-Coach, ein starker Wert ist. Von seinen 87 Pässen fanden 82 einen Mitspieler, beeindruckend war auch die Varianz der Pässe und Passempfänger. Veerman spielte den Ball praktisch zu jedem von an jeder Position des Spielfelds - und das auch unter Gegnerdruck. Dass Veerman, ähnlich wie sein Vorbild Pirlo weder der Schnellste, noch Dynamischste ist, fällt kaum auf, wenn er wie gegen Villarreal kaum den Ball verliert und auch unter Gegnerdruck kluge Pässe spielt.

“Er ist am Ball richtig gut, deswegen haben wir ihn auch verpflichtet, um gerade in diesen engen Situationen, wenn der Druck des Gegners so groß wird, auf engem Raum trotzdem die Lösungen zu finden", hatte Kovac den Niederländer bereits nach dem Spiel gegen Hoffenheim gelobt. Gegen Villarreal war der Assistkönig der abgelaufenen Saison in der Eredivisie (14 Vorlagen) noch mal stärker. Spätestens nach dieser Partie versteht man, wieso der für rund 22 Millionen Euro Ablöse von PSV Eindhoven gekommene Veerman von einigen Experten schon vor Saisonstart als bester Transfer für die Bundesliga bezeichnet wurde.

Wenn er so weitermacht, könnte Joey Veerman in Dortmund nicht nur der Spieler sein, den Borussia Dortmund gesucht hat und der dem BVB das gibt, was ihm zuletzt arg gefehlt hat - er könnte auch der Spieler sein, der Niko Kovac von seiner latenten Zentrumsphobie heilt. Was vielleicht sogar die noch bessere Nachricht wäre.

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