Der unerwartete Transfer von Max Meyer zu RWO: "Weltklasse" in der Regionalliga West | SPOX

Der unerwartete Transfer von Max Meyer zu RWO: "Weltklasse" in der Regionalliga West | SPOX

Max Meyer, einst von seinem Berater als "Weltklassespieler" gefeiert und Ex-Nationalspieler, wechselt zu Rot-Weiß Oberhausen. Warum?

Das Schöne am Fußball ist, dass alle Fußballer einfach immer das Gleiche sagen. Ob in der Kreisliga oder in der Champions League. Das gilt natürlich ganz besonders bei der Vorstellung beim neuen Klub.

"Immer mit dem Verein verbunden", sind sie. Und erklären noch leicht angeschlagen: "Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen an meine 100 Prozent herankomme." Sicher ist: "Ich kann versprechen, dass ich 100 Prozent gebe und alles für den Verein tue." Und die neue Truppe? "Auf jeden Fall ist die Mannschaft gut und auch sehr gut in die Saison gestartet. Das sind gute Vorzeichen"

Keine der getätigten Aussagen von Max Meyer im Interview mit Reviersport deutete darauf hin, dass der ehemalige Nationalspieler und große Hoffnungsträger von Schalke 04 sich nicht gerade einem mittelmäßigen Bundesligisten oder in Deutschland unbekannten europäischen Conference-League-Teilnehmer angeschlossen hätte. Beides ist aber nicht der Fall.

Stattdessen lautet Meyers neues Ziel nun, "in die 3. Liga zurückzukehren". Der Mittelfeldspieler hat sich Ende August fernab des üblichen Millionen-Wahnsinns am Deadline Day still und heimlich Rot-Weiß Oberhausen angeschlossen.

Er selbst wollte daraus keine große Sachen machen. RWO-Kapitän Nico Klaß verriet anschließend, dass sich der prominente Neuzugang auch bei seiner internen Vorstellung doch stark zurückgehalten hatte. In der Kabine habe Meyer nur schnell eine "relativ kurze Ansprache" gehalten. "Wenn der Trainer ihn nicht darum gebeten hätte, hätte er vielleicht auch gar nichts gesagt."

Meyer selbst war abseits von Mobbing-Vorwürfen gegen Schalke 2018 nie der Mann der großen Töne. Für sein Umfeld galt das eher weniger. Sein damaliger Berater Roger Wittmann soll seinen Klienten 2018 in den Vertragsverhandlungen mit Schalke als "Weltklassespieler" angepriesen haben. Und der könne bei jedem europäischen Spitzenklub unterkommen.

Meyers Vater nahm 2020 ein Video in einem weißen Lamborghini auf. Was angeblich nur eine Wettschuld für eine interne Chatgruppe war, wurde dann zu einem Clip für die Internetewigkeit: "Besser geht nicht, Männer. Besser geht nicht. Schön durch die verbotene Stadt, Gelsenkirchen, ab zum Steuerberater. Schön mit dem bezahlten Lambo vom Pleite-Klub, herrlich!" Es folgte eine öffentliche Ansage vom eigenen Sohn und eine Entschuldigung.

Meyer selbst spielte da schon nicht mehr für den "Pleite-Klub" aus dem Revier. Ein europäischer Spitzenklub war es dann 2018 nach den gescheiterten Transferverhandlungen mit S04 aber auch nicht geworden. Es ging auf die Insel zu Crystal Palace, damals im hinteren Mittelfeld der Premier League zu Hause. In England geriet die Karriere des zuvor noch vielversprechenden DFB-Kickers jedoch immer weiter ins Stocken.

Im ersten Jahr konnte er zwar nicht überzeugen, erhielt aber immerhin noch regelmäßige Einsatzzeiten auf dem Rasen. Das änderte sich in der folgenden Spielzeit und in seiner dritten Saison auf der Insel flog er dann ganz aus dem Kader. Meyer absolvierte in der zweiten Jahreshälfte 2020 nur ein einziges Pflichtspiel für die U21.

An den Tiefpunkt reihten sich weitere Stationen, die weit von Höhepunkten entfernt waren. Eine Rückkehr nach Deutschland zum 1. FC Köln sorgte für keinen neuen Schwung, bei Fenerbahce wurde er genauso wenig glücklich wie bei Midtjylland. 2022 gab es in der Schweiz immerhin einen kleinen Umschwung und der ehemalige Jungstar führte den FC Luzern zwischenzeitlich als Kapitän aufs Feld - bis ihm die Binde nach einem blamablen Pokal-Aus entzogen wurde. Es folgte ein bekanntes Bild: Zu langes Warten auf die Vertragsverlängerung und im Sommer 2024 hatte Meyer plötzlich keinen Arbeitgeber mehr.

Meyer wollte sich "gerne überraschen" lassen, wo es denn hingehen könnte. "Es muss nicht unbedingt Deutschland sein", ließ er wissen. Es wurden dann zwei Jahre Zypern, bevor sich der U-21-Europameister nach 53 Einsätzen und sieben Scorerpunkten wieder in die Vereinslosigkeit verabschiedete.

Und jetzt völlig unerwartet in Oberhausen aufschlug. Dabei ist der Wechsel nicht komplett überraschend. "Es ist meine Geburtsstadt und ich habe hier auch in der Jugend gespielt", erklärte Meyer seine Rückkehr. "Jetzt hat sich die Möglichkeit ergeben, bei RWO zu unterschreiben, und ich habe die Chance genutzt."

Die genauen Konditionen sind nicht bekannt. "Wir fahren wirtschaftlich und finanziell sicherlich immer am Limit", machte allerdings Vorstandschef Marcus Uhlig deutlich. Gemeinsam hat mit Manager Dennis Lichtenschwimmer und Chefscout Tanju Öztürk hat er über den Sommer trotzdem einen ambitionierten Kader für Trainer Sebastian Gunkel gebastelt.

Die Verpflichtung des "verlorenen Sohnes" war da nur die Kirsche auf der Torte, die auch fast schon schulterzuckend hingenommen wurde. "Wir freuen uns über jeden, der kommt", betonte Kapitän Klaß. Die Mannschaft sei aber mittlerweile "so gut und breit aufgestellt, dass wir wirklich ersetzen können, wenn mal was passiert."

Meyer selbst ist ganz sicher nicht aus finanziellen Motiven zurück in der Heimat. "Wenn ich sehe, wie wir miteinander gesprochen haben, wie wir uns abgestimmt haben und dass wir mit allem überzeugen können, aber nicht mit Geld, dann bin ich total froh und total stolz drauf", erklärte Vorstandschef Uhlig die Transfers.

Für Meyer wusste RWO vor allem mit einem Argument zu überzeugen: "Ein Grund war natürlich auch meine Familie. Ich habe meinen Sohn in den letzten zwei Jahren unregelmäßig gesehen. Jetzt bin ich wieder bei der Familie und zu Hause. Das freut mich sehr." Doch der Regionalligist ermöglicht ihm auch, schon an der Karriere nach der Karriere zu arbeiten: "Zudem freue ich mich, dass mir hier die Gelegenheit gegeben wird, meine Trainerausbildung im Jugendbereich zu absolvieren."

Während der Fokus auf Familie und Trainerschein auch klassische Motive für einen lokalen Wechsel auf Kreisliganiveau wären, hat Meyer allerdings parallel zu seinen neuen Schwerpunkten noch längst nicht mit dem Profifußball abgeschlossen. Der 30-Jährige will seinen Anteil an der Rückkehr in die 3. Liga haben, was "der Traum von jedem Oberhausener ist."

Die Chancen stehen aktuell nicht schlecht. Nach sieben Spieltagen hat RWO schon 16 Punkte gesammelt und liegt nur hinter dem FC Gütersloh auf dem zweiten Tabellenrang. Meyer selbst konnte bisher nach seinen Schambeinproblemen noch nicht in den Aufstiegskampf eingreifen.

Doch ihm gefiel, was die Kollegen bisher anboten, als er am vergangenen Wochenende beim Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte (0:0) auf der Tribüne saß: "Die Art und Weise, wie einfach gespielt worden ist, offensiv nach vorne, viel mit dem Ball am Fuß und hohes Anlaufen und Pressing, das hat schon imponiert. Da war ich schon ein bisschen beeindruckt."

Das klingt doch fast schon wieder Weltklasse und ließe sich genauso gut über einen Champions-League-Teilnehmer sagen. Für Meyer und Oberhausen geht es aber zunächst am Freitag nur gegen seinen Ex-Klub Schalke. Und auch nur gegen dessen Zweitvertretung.

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