Jürgen Klopp wird am Donnerstag seinen ersten Kader als Bundestrainer bekanntgeben. Offen ist unter anderem die Torhüterfrage. Lothar Matthäus stellte dahingehend eine steile These auf.
Der Rekordnationalspieler legte sich in seiner Sky -Kolumne auf vier Kandidaten fest. Darunter auch Marc-Andre ter Stegen von Ajax Amsterdam, der das Erbe des erneut zurückgetretenen Manuel Neuer antreten könnte. Matthäus gehe davon aus, "dass er sicher dabei sein wird", schrieb er und betonte: "Wenn er in Amsterdam weiter seine Leistungen bringt, ist er ein Kandidat für die Nummer eins im deutschen Tor."
Auf lange Sicht sieht Matthäus Jonas Urbig vom FC Bayern München - dort die Nummer zwei hinter Neuer in dessen voraussichtlich letztem Jahr - als die Zukunft im deutschen Tor, den der DFB "aufbauen" müsse, "um bei Turnieren in der Zukunft eine klare Nummer eins zu haben. Vom Alter her ist er derjenige, der die meisten Turniere spielen kann." Ansonsten nannte er Loris Karius vom FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurts Noah Atubolu.
Insgesamt, so Matthäus, kämen sieben oder acht Keeper für eine Nominierung infrage. Neben dem genannten Quartett wurden zuletzt Alexander Nübel (Besiktas Istanbul), Finn Dahmen (FC Augsburg), Mio Backhaus (SC Freiburg) und Oliver Baumann (TSG Hoffenheim) gehandelt. Letzterer wird laut der Bild -Zeitung jedoch nicht von Klopp nominiert.
Karius habe allen voran "gute Chancen" auf eine Berufung, wenn es nach dem Leistungsprinzip gehe. "In der vergangenen Saison hat er überragend gehalten und hatte maßgeblichen Anteil an Schalkes Aufstieg." Auch nach dem Aufstieg, wie zum Beispiel beim 0:0 gegen den FC Bayern München , habe er seine Klasse unter Beweis gestellt. "Die Vergangenheit, die er mit Klopp in Liverpool erlebt hat, sollte in der Schublade bleiben", ergänzte Matthäus und ging damit auf einen wegweisenden Moment in Karius' Karriere ein.
Karius hatte bis 2018 regelmäßig unter Klopp im Kasten des FC Liverpool gestanden, ehe er beim Champions-League-Finale in jenem Jahr gegen Real Madrid schwer patzte und seiner Mannschaft letztlich den Henkelpott kostete. Daraufhin folgten Leihen zu Besiktas Istanbul und Union Berlin, ehe der heute 33-Jährige die Reds 2022 ablösefrei endgültig verließ. Im Zuge seines Zwischenstopps am Bosporus kühlte das Verhältnis zu Klopp einem Bericht des kicker zufolge ab, weshalb er unter Klopp nie wieder ein Spiel absolvierte. Im Januar 2025 unterschrieb er auf Schalke, was sich für alle Beteiligten als Glücksfall herausstellte.
Für ter Stegen käme ein erneuter Anlauf im deutschen Tor indes wohl nur infrage, wenn ihm auch ein Stammplatz in Aussicht gestellt würde. Nach mehreren Jahren als Nummer zwei hinter Neuer und großem Verletzungspech war es dem inzwischen 34-Jährigen nie vergönnt, bei einem großen Turnier als Nummer eins zwischen den Pfosten zu stehen. Auch für die WM 2026, für die Neuer schließlich aus seinem DFB-Ruhestand zurückkehrte, war er ursprünglich als Stammkeeper vorgesehen.
Sein Körper machte ihm allerdings einmal mehr einen Strich durch die Rechnung, weshalb er in Folge dessen sogar auf Vereinsebene aufs Abstellgleis geriet und beim FC Barcelona degradiert wurde. Nach einer wochenlangen Posse und einer Rücken-Operation folgte im vergangenen Winter ein Leihe zum FC Girona, wo ihn eine Oberschenkelverletzung ausbremste. Im Sommer einigte sich ter Stegen mit Ajax auf ein Leihgeschäft bis Saisonende.
In bislang sieben Partien kassierte ter Stegen elf Gegentore, leistete sich in den Playoffs für die Conference League aber auch einen Patzer. Sein Vertrag in Barcelona, wo er keine Zukunft mehr hat, ist noch bis 2028 datiert.
Auf Deutschland wartet zum Debüt von Klopp, der zum Start seiner Ära angeblich über die Berufung eines XXL-Kaders nachdenken soll , ein Gastspiel bei der Niederlande in der Nations League. Den Länderspiel-Viererpack komplettieren zwei Partien gegen Griechenland und ein Heimspiel gegen Serbien.