Noch immer steht der Trade von Kawhi Leonard von den Los Angeles Clippers zu den Toronto Raptors auf der Kippe. Laut einem neuen Bericht drohen die Untersuchungen der NBA über den Saisonstart hinaus anzudauern.
Wie Baxter Holmes ( ESPN ) am Mittwoch berichtete, könnten die Untersuchungen der NBA, ob die Clippers den Salary Cap bewusst umgangen haben, um Kawhi zu bezahlen, sich noch bis ins Jahr 2027 ziehen, falls sich die Parteien nicht auf das Ergebnis oder einen vorgeschlagenen Vergleich einigen, der eine Bestrafung des Teams vorsieht.
Sollten die Clippers allerdings tatsächlich bestraft werden, droht der Liga sofort weiterer Ärger. Quellen aus dem Umfeld der National Basketball Players Association (NBPA), die über Kenntnisse der Untersuchung verfügen, verrieten gegenüber Holmes, dass die Spielergewerkschaft im Falle von Sanktionen ohne ausreichend Beweise ohne zu zögern vors Schiedsgericht ziehen wird. Die NBA selbst wollte sich nicht äußern.
Die Clippers bestreiten seit Monaten die gegen sie vorgebrachten Vorwürfe. Die NBA wollte die Ermittlungen, die schon seit vergangenem Herbst andauern, eigentlich zeitnah beenden. Noch Mitte Juli ließ Commissioner Adam Silver wissen, dass die Untersuchung "vor Beginn der kommenden Saison abgeschlossen sein muss".
Zeitgleich waren in einem ausführlichen Bericht von The Athletic neue Details über die Ermittlungen der NBA enthüllt worden. Bisher zu diesem Zeitpunkt bestand der Verdacht, dass der Superstar 28 Millionen US-Dollar durch einen Werbedeal mit dem inzwischen insolventen Unternehmen Aspiration erhalten haben soll, ohne die vereinbarten Leistungen erbracht zu haben .
Anonyme Quellen sollen gegenüber The Athletic jedoch unter anderem berichtet haben, dass Wachtell Lipton, die von der NBA mit der Durchführung des Verfahrens beauftragte Anwaltskanzlei, mittlerweile auch einen bisher nicht gemeldeten Werbevertrag mit einem anderen Unternehmen prüft.
Dass sich die Prüfungen allerdings deswegen länger als erwartet ziehen, ist nicht gesichert. Gegenüber Holmes warnte eine Quelle, anzunehmen, dass Außenstehende über Insiderwissen zu den bisherigen Erkenntnissen von Wachtell Lipton verfügen. Die Länge der Untersuchungen gäbe zudem keine Erkenntnisse darüber, was die Kanzlei bisher herausfinden konnte oder eben auch nicht. Silver selbst gestand allerdings bei seinem letzten offiziellen Statement zu der Thematik ein, dass der Fall kompliziert ist.
Der Commissioner soll sich laut Quellen jedoch nicht vom öffentlichen Druck beeinflussen lassen, wie Quellen gegenüber ESPN bestätigten. In seinem Umfeld geht man davon auch, dass Silver "geradlinig vorgehen" werde. Sonst droht ihm in allen Fällen Ärger. Sollte er vorliegende Beweise gegen die Clippers ignorieren und auf eine Strafe verzichten, würde er in einem schlechten Licht dastehen. Gleiches gilt logischerweise, wenn es zu einer Strafe kommt, aber nicht ausreichend Beweise vorliegen.
Silver ist sich der komplizierten Lage dabei bewusst: "Wir wollen die Rechte aller akzeptieren", sagte er bei seinem Auftritt Mitte Juli. "Natürlich würden wir, wenn gegen einen von uns ermittelt würde, erwarten, dass bestimmte Standards eingehalten werden - Standards für ein ordnungsgemäßes Verfahren mit der Unschuldsvermutung und so weiter. Gleichzeitig möchten wir unseren Teams, unseren Fans und Ihnen allen versichern können, dass diese Untersuchung umfassend ist und dass wir nach bestem Wissen und Gewissen ermittelt haben, was in dieser Situation tatsächlich geschehen ist."
Lange Zeit wirkte es zugleich so, als wäre der Commissioner durchaus froh, dass die Untersuchungen nach und nach aus dem medialen Blickfeld verschwanden. In dieser Free Agency rückte das Thema jedoch wieder in den Fokus, nachdem sich die Clippers und Raptors Ende Juni auf einen Trade von Kawhi geeinigt hatten.
Die beiden Teams wollten den Deal jedoch noch nicht offiziell machen, wie sie neun Tage nach der Einigung in separaten Statements verkündeten. Als Grund nannten sie die unklare Situation bei Kawhi. Die Raptors hatten von der Liga erfahren, dass sie im Falle eines Wechsels des Superstars das Risiko für etwaige Sanktionen übernehmen würden.
Wie genau die Sanktionen aussehen würden, ist nicht bekannt. Laut ESPN -Insider Shams Charania könnte der Forward allerdings für die ganze Saison gesperrt werden. Silver war derweil immer wichtig zu betonen, dass nicht die Liga selbst den Trade gestoppt hat, sondern die Teams.
Die Clippers wollen im Sinne ihres Rebuilds Kawhi zu seinem Ex-Team nach Toronto schicken. Im Tausch würden sie All Star Brandon Ingram, Gradey Dick, zwei Erstrundenpicks, zwei Zweitrundenpicks und einen Pick Swap erhalten. Beide Teams zeigten sich zuletzt stets optimistisch, dass der Deal noch über die Bühne gehen wird.