Der Osten in der NBA hat mächtig aufgerüstet und spätestens seit LeBron James zurück ist, gilt: In der Eastern Conference droht ein Blutbad und die New York Knicks haben einen harten Weg zur Titelverteidigung vor sich.
Die wichtigsten Deals einer völlig verrückten Offseason scheinen mittlerweile ausgehandelt, wenngleich die offizielle Rückkehr von Kawhi Leonard zu den Toronto Raptors noch immer aus Gründen auf sich warten lässt. Den Anfang machten aber schon vor vielen Wochen die Miami Heat, die sich Giannis Antetokounmpo schnappten. Macht sie die Verpflichtung des griechischen Superstars direkt zum Titelfavoriten?
Laut LeBron jedenfalls nicht zum Top-Contender, denn der "King" ging nach Philly, weil er sich bei den Sixers die besten Chancen auf den fünften Ring ausgerechnet hat .
Aber hat er die dort wirklich? Sind nicht noch immer die New York Knicks das beste Team des Ostens? Vergessen gerade fast alle einen Titelfavoriten? Das Power Ranking der Eastern Conference.
Giannis ist weg und damit auch alle Ambitionen. Die letzte Saison war ein absoluter Horror und jetzt herrscht immerhin Klarheit, dass in den nächsten Jahren niemand in der Bierstadt allzu groß träumen muss. Die mögliche Starting Five um Tyler Herro, Ryan Rollins, Jaime Jaquez Jr., Kyle Kuzma und Myles Turner sieht immerhin NBA-tauglich aus. Das war bei den Kellerkindern der Liga in den Vorjahren längst nicht selbstverständlich.
Allerdings ändern sich mit der kommenden Saison auch die Vorzeichen. Dank der von Adam Silver vorangetriebenen Draft-Revolution lohnt es sich vor der kommenden Lottery auch gar nicht mehr, zu tanken. Für die Bucks wäre das aber sowieso nicht der Fall, bei der kommenden Ziehung sind sie ohne eigenen Pick.
Dementsprechend wird Neu-Coach Tyler Jenkins sicher versuchen, den ein oder anderen überraschenden Sieg herbeizutüfteln, um immerhin für etwas Aufbruchstimmung zu sorgen. Das mag ab und an gelingen, wird aber aufgrund der Konkurrenz nicht reichen, um auch nur ernstzunehmend auf das Play-In zu hoffen. Schließlich will auch der Rest gewinnen und nicht in die "Relegation Zone" abrutschen. Das ist nun das neue Zuhause der Bucks, die sich voll und ganz auf die Entwicklung der Rookies Brayden Burries und Nate Ament konzentrieren können.
Immerhin: Nach dem jahrelangen Medienspektakel mit Antetokounmpo hat Milwaukee es direkt geschafft, weiter im Gespräch zu bleiben und Gary Trent Jr. dermaßen überbezahlt, dass die NBA direkt Untersuchungen aufnahm, ob da alles mit rechten Dingen zuging .
Wenn jemand den Bucks im Keller Gesellschaft leisten wird, dann wohl die Nets. Dabei sollte auch deren Rebuild durch die Lottery-Reform an Tempo aufnehmen. Die Verpflichtungen von Julius Randle , Keon Ellis und Moritz Wagner sind wohl tatsächlich etwas, das man "Win-Now-Moves" nennen darf.
Und so sollte Brooklyn dann, angeführt von Michael Porter Jr., doch deutlich mehr als die 20 Siege aus der Vorsaison holen. Das wird nur leider nicht für deutlich mehr als den 13. Platz aus dem Vorjahr reichen. Eher weniger.
In der Windy City weht ein komplett neuer Wind. Neues Front Office , neuer Coach - und neuer GOAT? Immerhin hat sich Caleb Wilson schon einmal diesen Titel als großes Ziel vorgenommen.
Bis dahin ist es ein weiter Weg, aber der Nr.4-Pick des diesjährigen Drafts darf sich auf jeden Fall als neuer Hoffnungsträger der Bulls vorstellen. Nach seiner College-Zeit galt er als spektakulärster Spieler seiner Klasse und stellte seine absurde Athletik direkt in der Summer League unter Beweis . In Las Vegas konnte er sogar plötzlich Dreier werfen. Freiwürfe hingegen nicht.
Wilson sorgt aber allemal dafür, dass Chicago ordentlich Spaß machen könnte. Mit Norman Powell ist zudem ein sicherer Scorer hinzugekommen, mit Nic Claxton auch ein Center. Josh Giddey hat weiterhin die Fäden in der Hand und Matas Buzelis, der in Sachen Spektakel mit Wilson mithalten möchte, könnte den nächsten Schritt machen.
Für den Sprung aus dem Mittelmaß reicht das nicht. Aber der Ausweg daraus scheint langfristig doch tatsächlich möglich.
Washington springt hingegen ins Mittelmaß hinein. Nach nur 17 Siegen im Vorjahr etwa ein Grund zur Freude? Nicht für Anthony Davis, der schon vor seinem ersten Einsatz im Wizards-Trikot klargemacht hatte, dass es in der US-Hauptstadt doch gerne schnell in Richtung Titel gehen soll. Sonst ist AD weg.
Das scheint nicht im Interesse der Verantwortlichen, die Trade-Anfragen für den zehnfachen All Star direkt abblockten. Schließlich darf Davis jetzt erstmalig an der Seite von Trae Young auflaufen, den sich Washington ebenfalls schon im Laufe der letzten Saison sicherte. Die beiden Star-Veteranen haben mit Nr.1-Pick AJ Dybantsa, Alex Sarr, Kyshawn George, Bub Carrington, Tre Johnson, Will Riley und Bilal Coulibaly einige Youngster an ihrer Seite.
Mit Deandre Ayton kam zudem ein weiterer Big , falls sich Davis doch glatt mal verletzen sollte. Die Wizards sehen vielversprechend aus und eine Teilnahme am Play-In oder gar den Playoffs wäre keine große Überraschung. Im Gegensatz zu echten Titelchancen.
Noch ist die Offseason nicht abgeschlossen, aber trotzdem ist schon sicher: Charlotte hat den vielleicht spannendsten Weg eingeschlagen. Nur zur Erinnerung: Die Hornets schossen im vergangenen Frühjahr einen Konkurrenten nach dem anderen aus der Halle und sahen während einer verrückten Aufholjagd zeitweise statistisch nach dem besten Team der Liga aus. Fast hätte es mit den ersten Playoffs seit zehn Jahren geklappt, erst im zweiten Play-In-Duell wurden die Überflieger gestoppt.
Darauf lässt sich doch aufbauen, oder? Nicht, wenn es nach GM Jeff Peterson geht. Der schickte mit LaMelo Ball mal kurz den Anführer und das Gesicht der Franchise weg. Mit Miles Bridges musste ein weiterer elementarer Bestandteil und eine der besten Scoring-Optionen des Teams Abschied nehmen.
Peterson erklärte sich anschließend : "Ich hatte das Gefühl, dass es nie das Ziel sein darf, um einen Platz im Play-In zu kämpfen und das Ziel ist es auch nicht, in einem Jahr mal das Play-In zu erreichen oder gar in die Playoffs zu kommen." Stattdessen soll es in Zukunft regelmäßig um die Meisterschaft gehen.
Um diese fünf Schritte nach vorne zu machen, war es in diesem Sommer allerdings noch einmal Zeit für einen Schritt zurück. Die Hornets staubten fleißig Picks ab, trennten sich von teuren Verträgen und schnappten sich mit Hannes Steinbach und Christian Anderson im Draft gleich zwei deutsche Spieler, die schnell den Weg in die Rotation finden werden . Doch fernab einer schwarz-rot-goldenen Brille lohnt sich der Blick nach Buzz City: Geht der Plan doch schon schneller als erhofft auf? Und wie viele Dreier ballert die letztjährige Rookie-Sensation Kon Knueppel in seinem zweiten Jahr durch die Reuse?
Eigentlich haben die Hawks nichts falsch gemacht. Eigentlich haben die Hawks sogar sehr viel richtig gemacht. Es war völlig vernünftig, Zaccharie Risacher nach zwei Jahren aufzugeben. Der Franzose kann sich sicher noch zu einem guten Rollenspieler in der NBA entwickeln. Aber nicht in Atlanta, wo ihm stets die Last des Nr.1-Picks zu schwer auf den Schultern lag.
In dem Drei-Team-Deal mit OKC und den Dallas Mavericks wurde sich zugleich mit Lu Dort ein ekliger Ex-Thunder-Defender gesichert. Auch Aaron Wiggins schnappten sich die Hawks aus Oklahoma City, wo dem Champion von 2025 einfach das Geld ausging. Keine offensichtlichen Meister-Moves, aber clevere Deals.
Dass mit CJ McCollum verlängert wurde , ist absolut verständlich. Der Routinier, der die Knicks ganz persönlich so nahe am Playoff-Aus hatte wie kein anderes Team in den vergangenen Playoffs, hat jetzt erstmals eine ganze Saisonvorbereitung in Atlanta vor sich. Jalen Johnson wird die vergangene Spielzeit wiederholen wollen. Also die Regular Season, nicht die Playoffs.
Mit Kingston Flemings pickte Atlanta darüber hinaus einen vielversprechender Rookie. Die Hawks sind im besten Sinne sehr solide. Im Vergleich zu den Teams vor ihnen fehlt es auf individueller Ebene jedoch etwas an Qualität.
Diese individuelle Qualität haben dagegen die Magic. Hatten sie aber auch schon im letzten Jahr, oder im Jahr davor. Oder in dem anderen Jahr davor. Und sie hat ihnen keine einzige erfolgreiche Playoff-Serie beschert. Zum dritten Mal in Folge scheiterten sie in der ersten Runde. Am Kader wurde aber trotzdem nicht große geschraubt. Moritz Wagner trennt sich erstmals von seinem Bruder Franz und Nikola Vucevic kehrt zurück.
Dass die Magic in Person von Paolo Banchero aber trotzdem schon wieder vom Titel reden , hat genau zwei Gründe: Während das Spielermaterial nahezu identisch blieb, wurde der Coach ausgetauscht. Sean Sweeney darf erstmals die Geschicke als Head Coach leiten. Als führender Assistant hatte er sich in den letzten Jahren ligaweit einen Namen gemacht. Vor allem am defensiven Ende, sodass Orlando eine der besten Defenses der Liga stellen sollte.
Das Problem war in den letzten Jahren aber eigentlich immer die Offensive. Hier wird sich Sweeney etwas einfallen lassen müssen - oder einfach den zweiten großen Hoffnungsschimmer aller Magic-Fans teilen: Glück. Denn in den letzten Jahren hatte die Franchise aus Florida immer wieder unglaubliches Verletzungspech. Die Co-Stars Franz und Paolo standen viel zu selten gemeinsam auf dem Parkett. Abwarten, ob es diese Saison endlich klappt.
Giannis wollte raus aus Milwaukee, um endlich wieder um einen Titel zu spielen. Das wird so aber nichts. Klar, gemeinsam mit Bam Adebayo bildet Antetokounmpo eines der besten Duos an beiden Enden des Feldes. Der Frontcourt passt. Neben Giannis kam mit Bobby Portis von den Bucks ja auch direkt eine weitere gute Option für die Bank. Mit Andrew Wiggins wurde zudem verlängert.
Aber der Backcourt? Ein Fragezeichen. Mit Herro und Powell sind zwei (Ex-)All-Stars weg. Tim Hardaway Jr. kam als Ersatz und könnte neben Davion Mitchell starten. Den Rest der Minuten auf Eins und Zwei übernehmen nach aktuellem Stand Dru Smith und Pelle Larsson. Klingt nicht allzu stark nach Contender.
Daran ändern auch die Gerüchte um all die Stars der vergangenen Tage, die Pat Riley an den Südstrand angeblich locken möchte. Nachdem Riley LeBron verpasste, stehen jetzt wohl DeMar DeRozan, Bradley Beal und Klay Thompson auf dem Wunschzettel. Alle drei machen die Heat über Nacht auch nicht zum Titelfavoriten. Aber immerhin: Dass Thompson angeblich oberste Priorität genießt , zeigt, dass Miami sich der Shooting-Probleme bewusst ist. Sonst muss Mastermind Erik Spoelstra wieder einmal eine Revolution anzetteln.
Ja, auch dem letztjährigen Top-Seed könnte nach aktuellem Stand das Play-In drohen. Doch die Playoffs bewiesen, dass bekanntlich der beste Seed längst nicht immer dem besten Team gehört. Nur dank eines historischen Einbruchs und der Verletzung von Franz Wagner überstand Detroit gerade noch so überhaupt die erste Runde. Das größte Sorgenkind war Jalen Duren , der auch in der anschließenden Serie gegen die Cavs ein Schatten seiner selbst war.
Jetzt droht dem All Star ein monatelanges Drama mit Detroit wegen seines neuen Vertrags. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Und egal, wie es endet: Für gute Stimmung dürften die vergangenen Wochen eher weniger gesorgt haben.
Darüber hinaus wurde Fanliebling und Blockmonster Isaiah Stewart abgegeben. Auch Tobias Harris, der in den Playoffs lange Zeit als einziger Akteur von Head Coach J.B. Bickerstaff regelmäßig seine Würfe traf, zog in der Free Agency weiter. Caris LeVert ist ebenfalls nicht mehr am Start. Neu dabei sind John Collins und Isaiah Joe. Letzterer bringt das dringend benötigte Shooting.
Wenn Ausar Thompson sich aber nicht zeitnah einen Hauch von Joes Wurfkünsten aneignen kann, wird sich Detroits Offensive kaum weiterentwickeln. Trotzdem zeigte sich Präsident Trajan Langdon, der schon während der letzten Saison auf einen „Splash-Move“ verzichtete, optimistisch: "Alle unsere Spieler werden sich im nächsten Jahr verbessern. Wir werden als besseres Team zurückkommen." Es wird zu beweisen sein, ob die Strategie tatsächlich aufgehen kann.
Die Pacers werden hingegen ganz sicher als besseres Team zurückkehren. Das letzte Jahr wurde einfach abgeschenkt und als Belohnung gab es eine Rekord-Niederlagenserie sowie am Ende eine überschaubare 19:63-Bilanz. Und so lässt sich leicht vergessen, was im Jahr davor passiert ist.
Indiana hat die Knicks aus den Playoffs geschmissen, zog in die Finals ein und zwang die Thunder in ein siebtes Spiel. Und wer weiß, was dort möglich gewesen wäre, wenn sich Tyrese Haliburton nicht früh die Achillessehne gerissen hätte. Jetzt kehrt der Spielmacher zurück. Zwischendurch hatte er zwar Probleme, doch die letzten Aufnahmen beweisen, dass die Athletik noch immer da zu sein scheint.
Andrew Nembhard ist auch immer noch da und hat im Vergleich zum Finals-Run noch einmal einen Leistungssprung gemacht. Pascal Siakam wurde trotz der Horror-Saison seiner Mannschaft All Star. Und statt Myles Turner läuft mittlerweile Ivica Zubac als Center auf. Wenngleich der Big nach dem Trade im Frühjahr nur fünfmal spielen durfte und nicht eine Minuten gemeinsam mit Siakam auf dem Parkett stand.
Irgendwie also verständlich, dass die Pacers noch nicht wieder so richtig auf dem Contender-Radar aufgetaucht sind. Das kann sich jedoch ganz schnell wieder ändern und Indiana sollte nicht unterschätzt werden.
Letzte Saison waren es die Celtics, die sich plötzlich in der Rolle des Underdogs wiederfanden. Jayson Tatum hatte sich die Achillessehne ebenfalls in den Playoffs gerissen. Zudem verschwanden große Teile des Meisterkerns von 2024 in Person von Jrue Holiday, Kristaps Porzingis und Al Horford. Fast alle Experten waren sich einig: Übergangsjahr. Fast alle Experten lagen falsch.
Joe Mazzulla war völlig egal, wer auf dem Parkett stand, und coachte die Kelten zur vierten Saison in Folge, in der sie sowohl eine der fünf besten Defensiven als auch eine der fünf besten Offensiven stellten. Dementsprechend soll dieser Fehler auch an dieser Stelle nicht noch einmal gemacht werden, obwohl mit Jaylen Brown immerhin der Top-5-MVP-Kandidat des Vorjahres und Finals-MVP von 2024 das Team zu einem vermeintlichen Spottpreis verlassen musste.
Doch bekanntlich war Brown ohnehin maximal der zweit- oder sogar eher nur der siebtbeste Spieler seines Teams . Trotzdem "führte" er Boston bis zur Rückkehr von Tatum zu einem 41-21-Record. Jetzt haben die Celtics zwar "nur" Paul George statt Brown, aber eben Tatum von Beginn an zurück. Dazu kommt mit Mitchell Robinson eine echte Verstärkung für die Center-Position. Der Aufschrei nach dem Brown-Trade war groß , aber: Es ist alles andere als ausgeschlossen, dass die Celtics in der kommenden Saison ohne ihn besser sein werden.
Dass die Cavs nicht ein drittes Mal von LeBron gerettet werden, tut weh. So bleibt das Gefühl einer nicht ganz runden Offseason, obwohl mit Mario Hezonja immerhin der "LeBron-Stopper" als LeBron-Alternative kommt . Oder kommen soll. Offenbar gibt es doch noch Probleme, den Deal offiziell zu machen.
Davon abgesehen hat sich wenig verändert. Mit Donovan Mitchell musste verlängert werden. Das taten die Cavaliers. Mit James Harden wird noch verlängert werden müssen. Das werden die Cavaliers tun. Sollte "The Beard" entgegen aller Berichte doch nicht erneut in Cleveland unterschreiben, würden die Cavs im Ranking noch einige Plätze nach unten taumeln.
Auch Evan Mobley und Jarrett Allen bilden in der kommenden Saison wieder das bestens bekannte Frontcourt-Duo. Dean Wade und Keon Ellis verabschiedeten sich hingegen, bei Dennis Schröder wäre das auch keine Überraschung . Das war es dann aber auch schon.
Nüchtern betrachtet musste auch nicht viel verändert werden. Zwar waren die Cavs in den Eastern Conference Finals gegen die Knicks recht chancenlos, aber es waren immerhin die Eastern Conference Finals und die Knicks. Doch um dorthin zu kommen, brauchten sie sieben Spiele gegen die angeschlagenen Raptors.
Und diese Raptors sind besser geworden. Wahrscheinlich. Denn die Platzierung gilt nur, wenn der Trade für Kawhi offiziell wird und Leonard nicht für die ganze Saison gesperrt wird . So ist Toronto nur ein Contender mit Sternchen.
Sollte jedoch alles gut gehen und Kawhi ein zweites Mal nach Kanada wechseln, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass er dort ein zweites Mal einen Titel holt. Die Raptors waren schon im Vorjahr eine gute Mannschaft, die jetzt vermutlich Brandon Ingram gegen einen der besten Spieler der Liga eingetauscht hat. Es ging manchmal etwas unter, doch Kawhi spielte in L.A. zuletzt eine absolut MVP-würdige Saison mit 27,9 PPG, 6,3 RPG und 3,6 APG. Quoten und Volumen passten auch, die Defense sowieso.
Stichwort Defense: Würde es ligaweit eine bessere Flügelverteidigung als das Albtraumduo Leonard und Scottie Barnes geben? Dass hinter den beiden in Ringnähe auch noch ein verbesserter Collin Murray-Boyles sein Unwesen treiben wird, macht die Sache für keinen Gegner angenehmer.
NBA-Legende Vince Carter sprach mit Blick auf die neue Starting Five von einem "Cheatcode". Wie auch sonst soll man das Quintet aus Tyrese Maxey, VJ Edgecombe, Jaylen Brown, LeBron James und Joel Embiid bezeichnen?
Trotzdem ist Philly durch Brown und James nicht automatisch der glasklare Titelfavorit, wie selbst Rich Paul, immerhin Berater von LeBron und Maxey, in seinem Podcast erzählte. Schließlich kann man im echten Leben nicht ganz so einfach cheaten, die besten Spieler in ein Team werfen und dann automatsch alles gewinnen. Die besten Spieler bilden eben nicht immer das beste Team.
Und so darf man Zweifel an dem Fit und der Bank dahinter haben. Und man muss sogar Zweifel daran haben, wie viele Spiele die fünf Stars gemeinsam absolvieren können. Vielleicht wäre das zeitweise aber auch gar nicht so schlecht, denn Neuzugang Dean Wade könnte eigentlich jedem Lineup weiterhelfen.
Nüchtern betrachtet hatte wohl kein Team eine bessere Offseason. Brown, James, Wade, Anfernee Simons, Ariel Hukporti und Kentavious Caldwell-Pope stoßen zu einem Team, das im letzten Jahr die Celtics aus den Playoffs gekegelt hatte. Dass LeBron glaubt, unter all den realistischen Kandidaten mit den 76ers die besten Titelchancen zu haben, ist richtig.
Am Ende müssen sie aber alle erst einmal den Knicks vorbei. Der Champion bleibt das "Team to beat". Erst vor wenigen Wochen haben die Knickerbocker einen der dominantesten Playoff-Runs aller Zeiten hingelegt. Zwischenzeitlich gewannen sie 13 Spiele in Folge, von den letzten 16 Partien gewannen sie 15.
Und der Meister hat sein Team überwiegend zusammengehalten, obwohl Owner James Dolan das Second Apron unbedingt vermeiden wollte. Die Starting Five aus Jalen Brunson, Karl-Anthony Towns, OG Anunoby, Mikal Bridges und Josh Hart ist noch da. Landry Shamet, Jordan Clarkson und Jose Alvarado wurden zudem verhältnismäßig kostengünstig gehalten.
Einzig der Abgang von Mitchell Robinson crashte etwas die Partystimmung. Robinson war kein gewöhnlicher Backup-Center, sondern mit seinem Rebounding in seinen Minuten ein echter Gamechanger. Mit Andre Drummond wurde immerhin schnell Ersatz gefunden, wenn auch kein gleichwertiger. Aber das sind Probleme, die der Rest gerne hätte.