Stephen Curry an der Seite von LeBron James. Dazu noch Anthony Davis oder Jaylen Brown. Die Warriors hatten wohl zumindest eine kleine Chance auf ein unglaubliches NBA-Superteam. Doch sie konnten diese wieder einmal aufgrund diverser Umstände nicht nutzen. Wagt Curry jetzt das Undenkbare?
2022 holten die Warriors ihren letzten NBA-Titel. Curry trug die Dubs erstmals als Finals-MVP zur Meisterschaft gegen die Boston Celtics. Der "Chefkoch" war zu dem Zeitpunkt zwar 34, doch zeigte keine Anzeichen von Schwäche.
Golden State "nutzte" damals die Gelegenheit allerdings nur dafür, um der Franchise-Legende mit den berüchtigten "Two Timelines" sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft keinen Contender-Kader mehr zur Seite zu stellen. Es gab etliche Gelegenheiten, wie Curry noch einmal in die Nähe eines fünften Rings hätte kommen können, doch die Dubs ließen sie alle verstreichen. Zur letzten Trade Deadline im Frühjahr sollte dann mit Giannis Antetokounmpo aber doch noch einmal ein großer Name zur Rettung eilen.
Der Trade für den "Greek Freak" klappte jedoch nicht. Giannis blieb erst bei den Bucks, ging jetzt zu den Miami Heat. Doch in den letzten Wochen buhlten die Dubs immerhin um einen gewissen LeBron James. Und Anthony Davis. Und Jaylen Brown. Und Trey Murphy III. Und Mario Hezonja. Keiner von ihnen kam, sodass jetzt tatsächlich die ersten Gerüchte aufkommen, dass Curry vor einem Abschied stehen könnte.
Denn der mittlerweile 38-Jährige baut zwar nun doch ein wenig ab, aber nur ganz langsam. Im Vorjahr konnte er aufgrund von Verletzungsproblemen nur 43 Spiele absolvieren, in denen er aber noch immer 26,6 PPG (46,8 FG%, 39,3 3FG%) auflegte. Auch im Play-In lieferte er noch einmal eine Vintage-Show ab. Allerdings auch nur im Play-In. Hier reichte es nur für einen Sieg, im zweiten Duell war Schluss und die Playoffs wurden verpasst.
Die beste Zeit des Jahres fand ohne Curry statt. Und das könnte im nächsten Frühjahr und Sommer schon wieder der Fall sein. Das glaubt auch LeBron und entschied sich lieber für die Philadelphia 76ers. Denn die Warriors haben nicht einen einzigen Neuzugang per Trade oder als Free Agent verpflichtet. Sie sind bisher kein bisschen besser geworden, nur älter. Die einzige Ausnahme ist Rookie und "Ex-Curry-Hasser" Yaxel Lendeborg , der aber passend zum sonstigen Kader zum Start seiner ersten NBA-Saison auch schon 24 Jahre alt sein wird.
"Sie kommen gut damit zurecht, mit diesem alternden 37-Siege-Kern weiterzuspielen und sind sich bewusst, nicht unbedingt im Titelrennen mitzumischen", erklärte Warriors-Insider Anthony Slater am Dienstag bei ESPN .
Nach all den Absagen haben die Warriors einfach die Hoffnung aufgegeben, dass der beste Dreierschütze aller Zeiten noch einmal eine Chance auf den Titel haben wird. Zumindest in Golden State. Denn dort wird laut Warriors-Insider Tim Kawakami ( San Francisco Standard ) von Owner Joe Lacob schon entspannt die Post-Curry-Ära geplant: "Was Lacob vorhat - und das könnte die Warriors-Fans verärgern -, ist, das Team für die Zeit nach Steph Curry aufzubauen."
Das verärgert allerdings nicht nur die Warriors-Fans, sondern auch Insider Kevin O'Connor ( Yahoo Sports) : "Was für eine Schande. Steph Curry gehört immer noch zu den besten Spielern der Welt. Es ist wirklich ein Witz, sich nicht darum zu bemühen, mit ihm weitere Titel zu gewinnen. Und wenn man das nicht vorhat, dann muss man ihn eben traden", lautete seine radikale Forderung.
Curry selbst will wohl liebend gerne noch einmal angreifen. "Er will gewinnen. Er will das beste Team um ihn herum, dass die Warriors zusammenstellen können. Er will eine Chance - und zwar eine echte Chance -, einen tiefen Playoff-Run hinzulegen", gab Marcus Thompson bei The Athletic kürzlich einen Einblick in die Gedanken des zweimaligen MVPs.
Thompson erklärte zugleich, warum Currys großer Traum gerade jetzt noch einmal relevant wird. "Je länger es dauert, bis er seine Vertragsverlängerung unterschreibt, desto sicherer kann man davon ausgehen, dass Curry seine mögliche Free Agency als Druckmittel einsetzt, um die Warriors dazu zu bringen, weiter auf dieses Ziel hinzuarbeiten."
Nach aktuellem Stand geht der Point Guard in der kommenden Spielzeit in sein letztes Vertragsjahr. Er könnte im August für zwei weitere Jahre und 136 Millionen Dollar unterschreiben. Und laut übereinstimmenden Berichten will er das grundsätzlich auch tun. Doch wer soll jetzt noch kommen, damit die Warriors doch plötzlich und unerwartet auch nur zum Tiefer-Playoff-Run-Kandidaten werden? Bei den großen Namen, die ganz offensichtlich verfügbar waren, gingen sie stets leer aus.
Insbesondere die Umstände dabei sorgen dafür, dass auch nicht davon auszugehen ist, dass sich das zeitnah ändern wird. Die Warriors hätten sich angeblich Brown ( und damit wohl auch LeBron! ) schnappen können. Das Front Office wollte jedoch die eigenen Picks lieber weiter horten. Vier Firstrounder abzugeben, kam für sie einfach nicht infrage. Bei Davis (und damit wohl auch LeBron!) galt das gleiche Spiel.
"Dieses Team steht derzeit am Scheideweg. Es stagniert gewissermaßen", brachte Insider Shams Charania ( ESPN) daher das Problem auf den Punkt. Die Warriors wollen zwar seit Jahren weitere Stars, aber sie wollen auch ihre Zukunft nicht verscherbeln. Im Fokus steht neben Curry daher auch schon die Verlängerung mit Brandin Podziemski.
Draymond Green hat am Dienstag bereits sein neues Arbeitspapier unterschrieben . Der Defensivspezialist hatte erst auf seine Player Option verzichtet, um finanziell Platz für seinen Golf-Kumpel LeBron zu machen. Dass der 36-Jährige davon unabhängig für eine 15. Spielzeit in die Bay Area zurückkehren wird, galt trotzdem als sicher.
Jetzt bekommt er das gleiche Geld wie zuvor, aber eben nicht LeBron. Eine No-Trade-Klausel ist in seinem Vertrag zwar nicht verankert, doch auch wenn die Warriors ihn vor einigen Monaten in einem möglichen Giannis-Trade verfügbar machten: Green selbst hat keine Wechselabsichten. Schon vor Jahren hatte er im Gespräch mit NBA-Ikone Shaquille O'Neal deutlich gemacht, dass er "Ring Chasing" im hohen Alter ablehnt: "Lieber läuft es schlecht mit den Jungs, mit denen ich auch schon gewonnen habe."
Von Curry ist nichts anderes zu erwarten. Kein noch aktiver Spieler läuft länger für seine Franchise auf. Die bevorstehende Saison wäre seine 18. mit den Warriors. Die Dubs sind zugleich von ihm abhängig. Sie haben es vor allem ihm zu verdanken, dass sie noch immer als die wertvollste Franchise der gesamten NBA bewertet werden. Die Fans kommen ins Chase Center wegen Curry. Die Dubs dümpeln lieber weiter rum, als ihm jetzt noch sein legendäres Vermächtnis bei ihnen zu beschmutzen und ihn in einem Blockbuster-Deal für weitere Picks abzugeben.
Und er selbst wird diesen Deal auch nicht forcieren. Die gescheiterte LeBron-Verpflichtung nahm er tapfer und stoisch zur Kenntnis: "Deshalb malt man sich nichts aus, bevor es tatsächlich passiert." Zugleich schaut er ganz nüchtern mit Blick auf das Verletzungspech von Jimmy Butler und Moses Moody auf die vergangene und kommende Saison: "Man kann nur hoffen, dass die beiden wieder fit zurückkommen und dass wir dann auf einem Niveau spielen können, das uns im Rennen hält sowie eine Grundlage schafft, damit wir herausfinden können, wie es weitergeht. Wir leben nicht in einem Paralleluniversum."
In diesem Paralleluniversum sollten sich die Wege von Curry und den Warriors jetzt eigentlich trennen. Fernab von Geld und Gefühlen wäre es rein sportlich für beide Seiten das Beste, einen Trade einzuleiten. Wenn, dann muss der Superstar das selbst fordern. "Stephen Curry wird keinen Trade fordern", machte Insider Brett Siegel ( ClutchPoints ) allerdings angesichts der zuletzt aufkommenden Gerüchte und Wünsche deutlich. "Wer das glaubt, weiß nicht, wer er ist und welche Werte er vertritt."
Auch Curry bestätigte, dass er wohl mindestens noch die erste Saisonhälfte abwartend aushalten will. Vielleicht überraschen die Dubs bis dahin ja auch und Butler kehrt nach seinem Kreuzbandriss auch noch erfolgreich zurück. Der Trade für "Jimmy Buckets" war im Februar 2025 immerhin schon einmal der letzte Strohhalm für etwaige Titelhoffnungen. Wenngleich Butler jetzt gerade mit seinen jährlichen 57 Millionen Dollar in jeder Verhandlung ein Klotz am Bein ist.
Aber vielleicht sind Owner Lacob und GM Mike Duleavy rund um die Trade Deadline 2027 trotzdem noch einmal für eine Überraschung gut, hofft Curry: "Ich bin zuversichtlich, was all die kreativen Ideen angeht, um die bestmögliche Mannschaft aufzustellen." Womöglich lebt er ja doch in einem Paralleluniversum.
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