Hinter den Kulissen der Los Angeles Lakers ist ein heftiger Familienstreit entbrannt. Während der milliardenschwere Verkauf der Mehrheitsanteile bereits für Schlagzeilen sorgt, tut sich parallel dazu eine interne Front unter den Buss-Geschwistern auf.
Konkret geht es um die restliche Minderheitsbeteiligung der Familie in Höhe von 17,8 Prozent, die ebenfalls veräußert werden soll. Während fünf der sechs Geschwister diesen Schritt befürworten, leistet Jeanie Buss, die Präsidentin und offizielle Governor des Teams aus Kalifornien, vehement Widerstand.
ESPN -Insider Shams Charania enthüllte am Montag, dass innerhalb der Buss-Familie über den Verkauf der noch verbliebenen 17,8 Prozent an der Lakers-Franchise abgestimmt wurde. Laut seiner Kollegin Ramona Shelburne stimmte der familieneigene Treuhandfonds - bestehend aus den Geschwistern Jim, Johnny, Janie, Joey und Jesse - mehrheitlich für den Verkauf. Einzig Jeanie stimmte dagegen.
Für sie steht nämlich viel auf dem Spiel: Um ihre Rolle als Governor der Lakers dauerhaft auszuüben, muss sie mindestens 15 Prozent der Anteile halten. Zwar garantierten ihr die Parteien beim Einstieg von Mark Walter im vergangenen Jahr diesen Posten noch für weitere fünf Jahre, doch der geplante Komplettausstieg bedroht nun ihre langfristige Position.
Ihr Anwalt Adam Streisand reagierte umgehend mit einem scharfen Schreiben auf das Abstimmungsergebnis: "Ein Verkauf der 17,8-prozentigen Beteiligung des JAB Trust an der Los Angeles Lakers, Inc. kann ohne die Zustimmung der derzeitigen Co-Treuhänder - Jeanie, Janie und Joey Buss - nicht vollzogen werden." Streisand holte zudem zu einem medialen Gegenschlag gegen die eigenen Verwandten aus: "Das ist der neueste Vorfall, in dem Joey und Jesse Buss falsche Informationen an Herrn Charania stecken. Sie wollen den Lakers schaden, während Jeanie - die von Dr. Buss ausgewählte Nachfolgerin - lediglich versucht, die Wünsche ihres Vaters umzusetzen." Gleichzeitig forderte der Jurist die Geschwister auf, öffentlich klarzustellen, dass Jeanie Buss in ihrer Funktion unantastbar bleibt.
Dieser familiäre Zwist überschattet ein historisches Geschäft auf Eigentumsebene. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die traditionsreiche NBA-Franchise für die weltweite Rekordsumme von zwölf Milliarden Dollar (ca. 10,4 Milliarden Euro) den Besitzer wechselt. Das neue Konsortium, das 65 Prozent der Anteile übernimmt, wird vom ehemaligen Disney-CEO Bob Iger und dem Investor Joshua Kushner angeführt - Letzterer ist der Bruder von Jared Kushner und Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.
Erst im vergangenen Jahr hatte der Milliardär Walter das Team der Buss-Familie für damals ebenfalls für eine Rekordsumme von zehn Milliarden Dollar abgekauft. Sollten nun auch die verbliebenen Familienanteile veräußert werden, würde die Ära Buss in Los Angeles nach fast fünf Jahrzehnten endgültig enden - eine Ära, in der die Lakers insgesamt elf NBA-Meisterschaften feierte.
Bereits der Verkauf im vergangenen Jahr hatte zu einem Eklat innerhalb der Buss-Familie gesorgt . Im Zuge dessen wurde nämlich Jesse und Joey Buss die Tür gezeigt. Die Buss-Brüder waren jahrelang maßgeblich im Scouting und im Draft eingebunden und angesehene Mitarbeiter im Front Office. Sie hatten als einzige Minderheitseigentümer damals gegen den Verkauf der Lakers an Walter gestimmt.
Es wird gemutmaßt, dass Jeanie Buss wiederum entscheidend an der Demission ihrer Brüder mitgewirkt hatte - zumindest legte das ein Statement von Jesse Buss kurz nach der Entlassung nahe.
Dieser sprach davon, dass sein Vater eigentlich geplant habe, "die Basketballgeschäfte" an ihn und seinen Bruder Joey zu übergeben, "aber Jeanie hat sich mit der Entlassung ihrer Geschwister effektiv an ihrem Platz gehalten".