Seit vier Monaten ist Tom Dundon der neue Owner der Portland Trail Blazers. Er machte sich in Rekordzeit unbeliebt und plant womöglich bereits das eigentlich Undenkbare.
4,2 Milliarden Dollar kostete es Tom Dundon und seine Investorengruppe am 13. August 2025, die Portland Trail Blazers zu kaufen. Am 30. März 2026 segnete das NBA Board of Governors den Deal ab.
Dundon war und ist kein Unbekannter in der Sportwelt und hatte auch schon in andere Bereiche ordentlich Geld gepumpt. 2017 stieg er in der NHL bei den Carolina Hurricanes ein, 2021 wurde er zum alleinigen Owner. 2026 holten die Hurricanes den ersten Stanley Cup seit 2006. Eine Erfolgsgeschichte, die allen Fans der zuletzt nicht zwingend unbedingt erfolgreichen Blazers Hoffnung macht?
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Nein. Und das lag nicht nur an Dundons zweifelhaftem Vorgehen, nicht nur seinen eigenen Namen prominenter als die der Spieler und Trainer in die Trophäe gravieren zu lassen, sondern auch den Namen seiner Frau und die Namen seiner fünf Kinder. Das an sich war auch bei anderen Ownern zuvor nicht unüblich, aber sie hatten immerhin die Klasse, ihre Familienmitglieder zuvor noch mit Fantasie-Jobs auszustatten, damit sie wirklich einen "Anteil" an dem Erfolg hatten. Sollten die Blazers die Larry O’Brien Trophy bald in die Höhe recken, haben sie ganz andere Sorgen. Denn es wird womöglich nicht in Portland sein.
Seit Wochen mehren sich die Spekulationen, dass die Blazers zeitnah umziehen könnten. "Relocation" ist das Stichwort, das die treuen und passionierten Anhänger in den Albträumen verfolgt. Erinnerungen an das unschöne Ende der Seattle Super Sonics werden wach.
Die Portland Trail Blazers sind seit 1970 Teil der NBA. 56 Jahre sind sie dabei. Acht Hall of Famer trugen das Jersey. 1977 holte Portland den Titel. 1990 und 1992 spielte das Team in den Finals. Es gibt im Bundesstaat Oregon ein einziges Team in den "Big Four". Die Blazers. Sie gehören zur NBA und nach Portland.
Doch Dundon ist erst seit wenigen Wochen im Amt und plötzlich steht der Umzug im Raum. Er selbst dementiert ein solches Vorhaben öffentlich: "Als ich die Hurricanes kaufte, hörte ich überall – weil ich aus Texas stamme –, dass wir das Team nach Houston verlegen würden. Ein Team zu verlegen ist schwierig. Wir haben die Hurricanes nicht verlegt." Und das werde natürlich auch nicht mit den Blazers passieren: "Für mich war das nie wirklich ein Thema. Wir haben das Team nicht gekauft, um es zu verlegen. Wir haben die Portland Trail Blazers gekauft."
Das stimmt, doch schon bei seinen Aussagen im Mai bereitete das laute "Aber", das immer mitschwang, große Sorgen: "Noch bevor ich das Team überhaupt gekauft hatte, gab es eine Vereinbarung mit der Stadt und dem Bundesstaat. Wir hatten eine Grundsatzvereinbarung. Die Hälfte davon wurde bereits genehmigt. Vorausgesetzt, dass alles so über die Bühne geht, ist das keine große Sache."
Doch mittlerweile ist alles zu einer großen Sache geworden. Vor allem das Moda Center, die Arena der Blazers. 31 Jahre hat die Halle, die lange auf den Namen Rose Garden hörte, schon auf dem Buckel und hat dringenden Renovierungsbedarf. Einst gehörte die Halle Paul Allen, dem Ex-Owner, der sie 1995 mit seinem eigenen Geld bauen ließ. Nach seinem Tod 2018 gingen die Blazers an Paul Allen Estate, das von seiner Schwester Jody geleitet wird. Die Stadt Portland kaufte 2024 für den symbolischen Preis von einem (!) Dollar das Moda Center. Und zahlte knapp sieben Millionen für das Stück Land.
Allerdings konnten Jody Allen und die Franchise keinen langfristigen Mietvertrag aushandeln, der alte lief 2025 aus. Also wurde ein Überbrückungsmietvertrag unterzeichnet, der sicherstellte, dass die Blazers bis Oktober 2030 in Portland und in dem Moda Center willkommen sind. Das Team hat zudem eine Option, den Vertrag noch einmal um fünf Jahre zu verlängern. Ein neuer 20-Jahre-Deal ist aber bereits vorbereitet, um langfristig Sicherheit zu schaffen.
Klingt nach nüchternem Papierkram und einer reinen Formsache. Nicht mehr und nicht weniger. Irgendwann wird halt unterschrieben. Es wird kaum eine Nachricht wert, weil sich solche Dinge nun einmal eigentlich immer ausgehen. Doch wenn man davon hört, ist Ärger im Busch. In diesem Fall in Person von Dundon.
Denn der hat keine Lust, die von der Stadt Portland errechneten Renovierungskosten in Höhe von 573 Millionen Dollar zu übernehmen und wartet daher mit seiner Unterschrift. Soweit erst einmal verständlich und auch nicht überraschend. Erst recht nicht, wenn man in den Lebenslauf von Dundon schaut, der sich frühzeitig als Mitgründer eines Subprime-Kreditgebers einen Namen machte. Er vergab hochverzinsliche Kredite an Personen mit erhöhtem Kreditrisiko. Das Unternehmen wurde später wegen ausbeuterischer Kreditvergabepraktiken verklagt.
Später gründete er sein eigenes Unternehmen. Die Rechtsstreitigkeiten blieben die gleichen. Dundon geht es um Geld und nicht darum gemocht zu werden. Das ist keine Ferndiagnose, sondern etwas, was der Geschäftsmann bei seiner Blazers-Vorstellung gerne selbst bestätigte. "Auf der Liste der Dinge, die mir wichtig sind, steht das ganz unten", beantwortet er nüchtern die Frage, ob er denn als Owner gerne gemocht werden möchte. Oder wie eine Ligaquelle gegenüber The Athletic es etwas weniger diplomatisch ausdrückte: "Es ist ihm einfach scheißegal."
Dundon ließ den Worten Taten folgen und machte sich in Rekordzeit unbeliebt. Dafür sorgte eine Liste an Sparmaßnahmen, die immerhin vor Kreativität nur so strotzte. Kurz nach seiner Übernahme standen für die Blazers die ersten Playoffs seit fünf Jahren an. Doch Victor Wembanyama und die San Antonio Spurs sahen sich in Portland nicht zehntausenden Fans in passenden "Blazers-Shirts" gegenüber. Dundon verzichtete auf die Playofftradition.
Kleiner Trost für die Fans: Dundon beendete auch Traditionen für die Spieler. Normalerweise reisten die Ersatzleute mit Two-Way-Contracts netterweise zu den Auswärtsspielen mit. Unter Dundons Ägide nicht mehr. Freikarten für Mitarbeiter wurden zudem teilweise gestrichen und der preisgekrönte Teamfotograf durfte nicht mehr mit zu Auswärtsspielen. Dass nach der Saison dann Teile des Broadcasting-Teams nach fast 20 Jahren entlassen wurden, war da fast schon absehbar.
Selbst bei den Maskottchen drohen noch Kürzungen und Gedankenspiele machten die Runde, das mindestens einer der beiden Glücksbringer der Blazers zeitnah Geschichte sein soll. Während der Serie gegen die Spurs, die deutlich mit 1-4 verloren ging, wurde zudem bekannt, dass Dundon parallel schon nach einem Nachfolger von Head Coach Tiago Splitter Ausschau hielt und mit 15 bis 20 Kandidaten sprach. Der war interimsweise für den verhafteten Chauncey Billups eingesprungen und schlug sich in seiner ersten Spielzeit mehr als ordentlich. Doch da verdiente er auch noch sein eigentliches Gehalt als Assistant Coach. Vor der Übernahme durch Dundon gab es Verhandlungen über eine Verlängerung. Diese wurden dann jedoch schnell auf Eis gelegt.
Dundon war durchaus bereit Splitter zu halten, aber nicht bereit, ihm mehr als rund eine Million Dollar jährlich zu zahlen. So wurde die Trainersuche in den Sommermonaten zur Schnäppchenjagd. Während Splitter bei den Chicago Bulls unterkam, sicherten sich die Blazers die Dienste von Micah Nori, der bis dahin nur als "Ted Lasso der NBA" und geschätzter Assistenzcoach aufgefallen war.
Doch natürlich erhielt Nori keinen marktüblichen Vertrag. Er wird unterdurchschnittlich bezahlt, was aber noch nicht einmal für das größte Entsetzen sorgte. Vielmehr war es die völlig unübliche Strukturierung des Arbeitspapiers, die vor allem J.B. Bickerstaff, Head Coach der Detroit Pistons und Präsident der Trainervereinigung, völlig auf die Palme brachte. Bickerstaff sprach von einer "Ohrfeige für den Wert unserer Arbeit" , weil Nori zwar einen Dreijahresdeal unterschrieb, der jedoch nur für ein Jahr garantiert ist, bevor jeweils eine Team Option folgt. Den schmeichelhaften Spitznamen "El Cheapo" verdiente sich Dundon redlich.
Das alles war jedoch nur das Warmup für Dundons großen Kampf, den er nicht gegen die eigenen Spieler, Mitarbeiter und Fans führt, sondern gegen die örtlichen Behörden und Steuerzahler. Die sollen jetzt nämlich für die Renovierungen im Moda Center aufkommen. Die Blazers wollen dem Vernehmen nach keinen einzigen Dollar zahlen. Die finanziellen Details sind kompliziert. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, das Geld auch ohne Dundons Hilfe aufzubringen. Wobei dieser nach eigener Ansicht bereits trotzdem fleißig hilft: "Es fühlt sich so an, als würden wir eine ziemlich große Investition tätigen, indem wir hier bleiben und diese Steuersätze dafür zahlen", ließ er öffentlich wissen.
Immerhin hat der Bundesstaat Oregon Mittel in Höhe von 365 Millionen Dollar für die Modernisierungsmaßnahmen bewilligt. Das Paket ist jedoch an Auflagen geknüpft. So müssen sich beispielsweise zudem die Stadt Portland mit 120 Millionen Dollar und der Landkreis Multnomah mit 88 Millionen Dollar an den Kosten beteiligen, um gemeinsam auf die erforderlichen 573 Millionen Dollar kommen. Finanziert einer von beiden nicht mit, verfallen die staatlichen Mittel zum Jahresende.
Der Stadtrat von Portland hat erklärt, dass er gewillt ist, den eigenen Anteil zu tragen. Doch auch das nur unter einigen Bedingungen. Wichtigster Wunsch: Die Blazers sollen einen Plan vorlegen, wie genau die Modernisierung ablaufen soll. Problem: Das haben die Blazers bisher nicht. Das Argument der Franchise lautet, dass schon längst eine mündliche Einigung mit der Stadt bestehe. Auch soll die Stadt den Architekten bezahlen, da das Gebäude doch ihr Eigentum ist.
Es ist nicht der einzige Streitpunkt. Die Stadt will die Blazers für 20 weitere Jahre binden und dann bei den Renovierungen sowie an den Essens- und Merchandiseständen während der Heimspiele gewerkschaftlich organisierte Arbeitskräfte einsetzen, die von der Franchise bezahlt werden sollen. Hinzu kommen drei Millionen Dollar jährlich, um die Grundsteuer auszugleichen. Die Blazers ließen wissen, dass diese Forderungen für sie nicht infrage kommen und blieben dem Verhandlungstisch fern.
Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass auch die Stadt von den Blazers-Spielen profitiert und einen Großteil der Parkeinnahmen erhält und auch an Tickets mitverdient. Das ist alles eine Grundlage, auf der beide Seiten verhandeln könnten. In der vergangenen Woche sahen das dann auch die Blazers ein und gaben sich netterweise die Ehre, um "Face-to-Face" miteinander zu reden.
Ein Fortschritt? Naja. "Heute haben die Blazers gezeigt, dass sie es ernst meinen, an den Verhandlungstisch zu kommen", sagte Jamie Dunphy, Vorsitzender des Stadtrats von Portland, im Anschluss. Aber: "Ich weiß nicht, ob das irgendetwas garantiert … Tatsächlich denke ich, dass die Kluft zwischen den Blazers und der Stadt ziemlich groß ist."
Denn die Blazers kamen noch mit weiteren Forderungen. Sie wollen, dass die Überbrückungsvereinbarung dahingehend geändert wird, dass ihre Verpflichtung zur Instandhaltung des Moda Centers auf "erstklassige Weise" gestrichen wird. Die Androhung einer möglichen Klage soll weg. Hat die Franchise etwa nicht ganz so "erstklassige" Pläne? Sowohl der Bürgermeister Keith Wilson als auch Dunphy erklärten, eine erneute Anfechtung einer bereits getroffenen Vereinbarung werde es nicht geben.
Die festgefahrene Situation bekam dann am Dienstag noch einmal ein bisschen Schwung. Allerdings nicht in der erhofften Art und Weise. Interne Mails der Blazers-Seite gelangten in die Öffentlichkeit. Kein gutes Zeichen. Zumal der Wille zum Kompromiss darin überhaupt nicht deutlich wurde. Die Verantwortlichen wollten dem Verlauf nach nicht auf Fragen der Stadt antworten. Eine von der Stadt erbetene Stellungnahme fühlte sich für sie sofort "wie eine Falle" an. Es blieb dabei: Sie antworteten einfach gar nicht.
Dundon sieht sich am längeren Hebel, da keine Einigung für ihn keine Folgen hat, während der Stadt das Geld der Blazers und des Staates gleichermaßen flöten gehen könnte. Dass Dundon keine emotionale Bindung zu Portland oder den Blazers hat, machte er bei seinem Kauf klar: "Man hat mich angerufen und gesagt, dass ein NBA-Team zum Verkauf steht." Zack, dann kauft man es halt. Ist doch völlig egal, welches.
Und diese komplette Völlig-Egal-Einstellung sorgt bei den Blazers-Fans für Angst. Was, wenn der Streit um das Moda Center weiter eskaliert? Ein Streit um die Arenakosten war vor nicht allzu langer Zeit die Grundlage, um die Seattle SuperSoncis mal eben gnaden- und herzlos in die Oklahoma City Thunder zu verwandeln.
Darüber hinaus wird in Raleigh gerade das Lenovo Center renoviert. Eine Arena, in der zufällig Dundons Hurricanes spielen. Will der Owner den Umzug also bewusst provozieren? Vermutlich dann doch nicht. Zwar wäre der Media Market ähnlich groß wie in Portland und Dundon die allgemeine Meinung über sein Vorgehen maximal egal, doch am Ende ist er ein Geschäftsmann. In Raleigh könnte er sich keine alleinige Vormachtstellung sichern, die Charlotte Hornets fliegen nicht allzu weit entfernt umher. Er selbst nannte seine Heimat Texas als Beispiel, doch dort spielen schon die San Antonio Spurs, Dallas Mavericks und Houston Rockets.
Dundon wird nicht dermaßen naiv sein, dass er glaubt, die Franchise lukrativ nach Seattle oder Las Vegas bewegen zu können. Bei beiden Standorten würde er den Expansionsplänen der NBA in die Quere kommen. Die anderen Owner würden sich selbst ins eigene Fleisch schneiden. Sie sind es, die einem Umzug am Ende noch zustimmen müssten. Dass sie grundsätzlich bereit sind, einen solchen zu verhindern, zeigte sich zuletzt bei der versuchten Relocation der Kings.
Dass Dundon allerdings schon aus Tampa oder St. Louis umschmeichelt werden könnte, wäre jedoch kaum eine Überraschung. Es wäre auch keine Sensation, wenn die anderen Owner ihm in diesem Fall keine Steine in den Weg legen würden. Für sie dürfte er mit seinen Sparmaßnahmen jetzt schon ein Vorbild sein, falls diese auch Erfolg mit sich bringen.
In der NHL haben sie das. Nichts, was er jetzt bei den Blazers wegrationalisiert, hat er nicht auch schon bei den Hurricanes gekürzt. Zwar gestand er selbst ein, die kulturellen Unterschiede zwischen den Sportarten und Ligen unterschätzt zu haben, doch der Kurs wird der gleiche bleiben.
In Carolina brachte es ihm Erfolg (acht Playoff-Teilnahmen in Serie, ein Titel) und Anerkennung unter den Spielern und Verantwortlichen ein. Womöglich könnte ihm das auch eines Tages in der NBA mit den Blazers winken. Nur vielleicht halt nicht mehr in Portland.
Dort kommt kommende Woche erst einmal der City Council zusammen und muss unter den zwölf stimmberechtigten Personen eine Mehrheit für das 120-Millionen-Dollar-Paket finden. Am Donnerstag steht bei den County Commissioners von Multnomah der gleiche Tagesordnungspunkt an.
Dundon wird es sich genüsslich anschauen. Sie werden ihm seinen Wunsch eigentlich erfüllen müssen. Wenn nicht, dann haut er mit den Blazers halt ab. Er kann in seiner Welt kaum verlieren. Alles andere ist "scheißegal".