Der koreanische Hersteller Cowon indes gibt sich als Premium-Produzent für qualitativ hochwertige Player aus. Der von uns kürzlich getestete Touchscreen-Player J3 , der im Segment des iPod Touch platziert ist, konnte zwar durchaus überzeugen, hat aber wenig herausragende Merkmale. Einen Angriff auf den iPod Classic startet Cowon nun mit dem X7 , der auf dem europäischen Markt noch nicht erhältlich ist. Der Player besitzt als Hauptspeicher eine Festplatte mit einer Kapazität von 120 oder 160 Gigabyte und setzt sich schon damit von einem Großteil des Marktes ab, der vorwiegend Modelle mit Flash-Speicher bereithält. Selten ist außerdem die Verbindung von gewöhnlicher Festplatte und Touchscreen , die nicht einmal der iPod bietet. Ungewöhnlich ist hierbei auch die Art des Displays: Es handelt sich nicht um einen kapazitiven Bildschirm, der Berührungen über ein elektrisches Spannungsfeld registriert, sondern um eine tatsächlich drucksensitive Oberfläche, die leicht eingedrückt werden muss. Diese Technik ist weit weniger verbreitet als die üblicherweise verbauten, kapazitiven Touchscreens. Unser Test des Creative ZEN X-Fi2 mit drucksensitivem Display zeigte deutlich die Schwächen dieses Typs von Bildschirm auf. Umso gespannter waren wir auf den X7, der mit Festplatte und berührungsempfindlichen Display eine ganz eigene Nische besetzt. Ob der Cowon X7 auch für ein größeres Publikum als die Cowon-typisch recht kleine Zielgruppe aus Käufern mit besonderem Augenmerk auf den akustischen Fähigkeiten und hoher Verarbeitungsqualität interessant sein kann, zeigt unser Test eines importierten X7-Modells.
Beim 4,3 Zoll messenden Bildschirm des X7 handelt es sich nicht um ein OLED-Display (mit organischen Leuchtdioden) wie etwa beim J3 oder S9, sondern um ein herkömmliches LCD-Modell mit einer nativen Auflösung von 480 x 272, was dem Standard für derart dimensionierte Anzeigen beträgt. Da der X7 mehr sein will als ein reiner MP3-Player, unterstützt er auch die gängigen Video-Formate, damit der Nutzer auch Filme anschauen kann. Dies bewältigt der Player erstaunlich gut; die verbaute Hardware ist leistungsstark genug, auch hochauflösende DVD-Videos ruckelfrei wiederzugeben und überzeugt mit guter Bildqualität ohne Schlierenbildung oder sonstige Bildstörungen. Auch die Video-Funktion des Betriebssystems überzeugt mit erstaunlich vielen erweiterten Einstellungen, die für vergleichbare Player eher unüblich sind. Darunter fallen eine Szenenauswahl mit Vorschau für Spielfilme, Untertitel-Einstellungen inklusive Positionsanpassung und Farbauswahl, Auswahl des Seitenverhältnisses, Screenshot-Funktion, alle Klangoptimierungsfunktionen und Equalizer, Anpassung der Wiedergabegeschwindigkeit sowie die Möglichkeit, den Player über TV-Out an einen Fernseher anzuschließen. So verdient der X7 tatsächlich den Namen eines portablen Video-Players mehr als andere Modelle, die zwar Videos wiedergeben, aber nicht so viele Möglichkeiten bieten wie der X7.
Das Display bietet eine sehr gute Wiedergabequalität, und auch die maximale Helligkeit weiß zu überzeugen. Die Vorzüge eines OLED-Displays, wie beispielsweise eine nahezu Blickwinkel-unabhängige Wiedergabe, bietet es jedoch nicht. Die Blickwinkelstabilität geht trotzdem in Ordnung. Auch die Farbwiedergabe ist weniger brillant, aber dennoch als ordentlich zu bezeichnen. Kritikwürdig ist leider die recht starke Spiegelung, die das Filmvergnügen bei direktem Lichteinfall deutlich einschränkt.
Der X7 besitzt auch die Fähigkeit, JPG-Bilder anzuzeigen. Allerdings ist diese Funktion eher eingeschränkt und rudimentär: Es lassen sich weder Diashows anzeigen, noch kann man die Fotos durch Multitouch-Gesten vergrößern; dies geht nur über ein entsprechendes Bedienfeld. Außerdem fehlt dem X7 ein Beschleunigungssensor, der die Bilder automatisch querlegt, wenn man den Player dreht. Dies muss ebenfalls von Hand vorgenommen werden. Immerhin lassen sich die Bilder als Desktop-Hintergrund einrichten. Mit der Comix-Funktion lassen sich Bildergeschichten ansehen, allerdings eignet sich das kleine Programm auch für das Durchblättern von Fotos recht gut.
Der Cowon X7 besitzt, wie bereits angemerkt, zwei interne Speicher: Der nominell zwei Gigabyte umfassende Flash-Speicher dient primär zur Aufnahme von System-Dateien, kann aber auch für Medien genutzt werden, die schnell abgespielt werden sollen, da der Flash-Speicher eine wesentlich kürzere Zugriffszeit besitzt. Diese haben wir mit dem Tool HD Tune ermittelt und sind erwartungsgemäß auf eine hohe Diskrepanz von 22,6 ms gekommen (HDD: 23,8 ms; Flash: 1,2 ms), die das langsame Aufrufen von Musiktiteln von der Festplatte erklärt.
Die Festplatte unseres Modells umfasst 149 Gb, also satte 12 Gigabyte weniger, als auf dem Datenblatt vermerkt. Beide Datenträger werden von Windows als Massenspeichergerät erkannt und können über den Explorer mit Daten befüllt werden. Dabei sind die Transferraten leider nicht groß; es dauert dementsprechend lange, sie mit größeren Datenmengen zu füttern. Auch der Flash-Speicher besitzt nur eine unterdurchschnittliche Geschwindigkeit.
Mit dem X7 besetzt Cowon eine Nische, die klar definiert ist und bisher kein nennenswertes Konkurrenz-Modell hervorgebracht hat. Mit einer großen Festplatte sowie einem Touchscreen ausgestattet, betritt man in dieser Hinsicht Neuland.
Allerdings gibt es einige Aspekte, die man dem X7 gut vorhalten kann: Sein Gewicht und seine Ausmaße machen ihn zu einem eher unhandlichen Gerät, das eher als portable Jukebox durchgeht, als als mobiler MP3-Player für unterwegs. Damit hat er bereits einen bedeutenden Nachteil gegenüber einem möglichen Konkurrenten, dem iPod Classic, der wesentlich kompakter ist und sich nicht zuletzt auch deshalb einfacher bedienen lässt. Der X7 ist über längere Zeit nur mit zwei Händen komfortabel zu bedienen, und auch durch den drucksensitiven Touchscreen und eine verbesserungswürdige Software-Oberfläche ist die Navigation des Cowon X7 verbesserungswürdig, wenn auch passabel. Trotz einiger Aussetzer kann man den Touchscreen als berechtigt ansehen, da er nichtsdestotrotz die Vorteile einer großen Bedienfläche mit flexibel angeordneten Schaltflächen mit sich bringt. Am Gehäuse lässt sich indes, abgesehen von seiner schieren Größe, nicht viel kritisieren. Das Material wirkt hochwertig und der Player ist rundum solide verarbeitet, sodass er dem Attribut " Premium " durchaus gerecht wird.
Seine stärkste Seite zeigt der Cowon beim Klang: Hier hat sich der Player die Position unserer Klangreferenz durch einen wahrhaft hervorragenden Klangprozessor erkämpft. Damit liefert der Player ein triftiges Argument, ihn über die Konkurrenz zu bevorzugen.
Auch der Bildschirm und vor allem die softwareseitige Einbindung der Video-Funktion ist eine starke Eigenschaft des X7, der sich dadurch sehr gut auch als Filmplayer eignet. Auch hier gilt, dass nur wenige andere Modelle ähnlich gut für Videos geeignet sind.
Letztlich kann man durch die Betrachtung der Stärken und Schwächen ein klares Käuferprofil formulieren: Der Player eignet sich für eine recht exklusive Zielgruppe, die vor allem auf den Klang schauen und die Videofunktion häufig und nicht nur als Zusatzfunktion nutzen möchten. Verbunden mit der hohen Festplattenkapazität und der langen Akkulaufzeit (siehe Datenblatt) nimmt der X7 auch ausufernde Musiksammlungen mit unkomprimierten Audio-Dateien mühelos auf und hält lange durch. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist das mitgelieferte Netzladegerät. Abschreckend dürfte zu guter Letzt der doch recht happige Kaufpreis sein: Mindestens 265 Euro werden für die Version mit 120 Gb fassender Festplatte fällig. Das disqualifiziert den unter den genannten Umständen durchaus empfehlenswerten Player leider von jeder Preis-Leistungs-Konkurrenz. Selbst ein iPod Classic mit 160 Gb ist für ca. 220 Euro zu haben, was höchstwahrscheinlich ein Nischendasein für den Cowon X7 bedeutet.
Preisvergleich: Multimedia-Player mit viel Speicher (Stand: 16.01.11)