Alarmstufe Rot! Die Zinsen explodieren – und mit ihnen die Gefahr eines systemischen Kollapses. Die Gefahren von extrem steigenden Zinsen hat kaum ein Ökonom oder Experte auf dem Radar. Tatsächlich droht eine neue Finanzkrise wie 2008, nur schlimmer.
Die Zehnjährigen US-Staatsanleihen stehen bei 5,12 Prozent , so hoch, wie zuletzt 2007. Tendenz: weiter steil aufwärts. Was das bedeutet? Nichts Gutes. Für Staaten, für die Konjunktur – und vor allem für die Banken. 2008 kam es zur größten Finanzkrise der Welt. Auslöser waren dratische Abwertungen von Kreditportfolios der vergangenen Jahre, Kredite, die in einer Niedrigzinsphase entstanden und bei steigenden Zinsen entsprechend abgewertet werden mussten. Erst ging es eine Zeit lang gut. Dann kam der große Knall.
Hohe Zinsen sind in Anbetracht der Schuldenlast des Planeten (350 Billionen $) reines Gift. Die Refinanzierung der Staaten wird zum Alptraum. Höhere Zinsen fressen Haushaltsbudgets auf, treiben Defizite in die Höhe und machen neue Schulden teurer als je zuvor. Die Konjunktur? Sie stottert bereits. Kredite verteuern sich massiv, Investitionen brechen ein, Unternehmen und Haushalte ächzen unter der Last. Doch das wahre Pulverfass tickt woanders: in den Bankbilanzen - wie damals, kurz vor der großen Finanzkrise 2008.
Das Kreditportfolio der Banken wird nur noch durch einen einzigen, brutalen Trick am Leben gehalten:
Hold to Maturity . Anstatt die Milliarden an Krediten und Anleihen zu aktuellen Marktpreisen zu bewerten, lassen die Institute sie einfach bis zur Fälligkeit in den Büchern stehen – und vermeiden so die bittere Wahrheit.
Denn die Wahrheit wäre vernichtend: Bei den aktuellen Zinsen müssten sämtliche Kredite und festverzinslichen Papiere extrem abgewertet werden. Milliardenverluste würden auf einen Schlag sichtbar. Die Eigenkapitalquoten würden kollabieren. Genau das ist der Mechanismus, der bereits die Silicon Valley Bank in den Abgrund gerissen hat.
Erinnern Sie sich? Die SVB hatte nicht einmal riskante Unternehmenskredite im Portfolio. Sie hielt vor allem Staatsanleihen – eigentlich das sicherste Papier der Welt. Doch als die Zinsen stiegen, fielen die Kurse dieser Anleihen ins Bodenlose. Die Bank musste abwerten und verkaufen – und die Bilanz war zerstört. Innerhalb von 48 Stunden war alles vorbei.
Und jetzt die unbequeme Frage: Müsste das nicht eigentlich auf alle Banken zutreffen?
Ja. Genau das. Die meisten Banken sitzen auf riesigen Beständen an festverzinslichen Anlagen und Krediten, die in der Niedrigzinsära entstanden sind. Die Marktwertverluste sind real – sie werden nur durch die „Hold-to-Maturity“-Illusion kaschiert. Kommt das heraus, droht ein Dominoeffekt, der die Finanzwelt in ihren Grundfesten erschüttern könnte.
Eine neue Bankenkrise wie 2008 ist kein Science-Fiction-Szenario mehr. Damals waren es toxische Hypothekenpapiere. Heute sind es die stillen Milliardenlöcher in den Anleihe- und Kreditportfolios, die durch steigende Zinsen immer tiefer werden. Ein Vertrauensverlust, ein großer Abfluss von Einlagen, ein erzwungener Verkauf – und das Kartenhaus fällt zusammen.
Die Zentralbanken stehen vor einem unlösbaren Dilemma: Die Inflation bekämpfen heißt, die Zinsen hochzuhalten. Die Banken retten heißt, die Zinsen zu senken und die Geldpresse anzuwerfen. Beides gleichzeitig geht nicht.
Die Zinsen steigen weiter. Die Verluste wachsen im Verborgenen. Und irgendwann wird jemand die Bücher öffnen müssen. Dann wird sich zeigen, ob die Banken wirklich so stabil sind, wie sie behaupten – oder ob die nächste große Krise bereits im Gange ist.
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